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Neulich saß ich mit einer Bekannten beim Mittagessen. Wir sprachen über das Leben und versuchten, aus unserem bisherigen mittelgroßen Erfahrungsschatz, eine Theorie über emotionale Stabilität aufzustellen. Wir resümierten, dass die Jahre kurz nach der Pubertät von einer guten Portion hausgemachtem Drama geprägt sind, sich der Wind für die meisten Menschen jedoch in der zweiten Hälfte der Zwanziger legt.

„Man fällt einfach nicht mehr in so tiefe Löcher“, mutmaßten wir. Doch die Wahrheit lässt sich eher so zusammenfassen: Meistens erkennen wir die Löcher auf unserem Weg im Voraus; fallen wir dennoch – wieder einmal – hinein, schaffen wir es jedoch, uns frei nach Baron von Münchhausen, selbst an den Haaren herauszuziehen. Die kleineren Hürden des Alltags bewältigen wir schon gut und sind dabei Mutter und Kind in Personalunion. Der englische Wortschatz hat dafür das schöne Wörtchen „self-care“ vorgesehen.

Doch, wie sorgt man für sich selbst – gerade dann, wenn sich das nächste Loch schon vor einem auftut? Ich habe für euch fünf kleine Tipps zusammengestellt, die vielleicht keinen emotionalen Orkan abwehren können – aber für die kleinen Stürme im Alltag eine gute Stabilität geben.

Tipp #1

Einmal um den Pudding

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In ihrem Report veröffentlichte die Deutsche Krankenversicherung im Jahr 2016, dass Menschen, die einen Schreibtischberuf ausüben, insgesamt 11 Stunden am Tag sitzen. Zum Vergleich: Würde man sich die „Herr der Ringe“ Trilogie hintereinander angucken, würde das nur neun Stunden dauern.

Wenn ich nach einem langen Tag nach Hause komme, habe ich oft keine Kraft mehr für ausgiebige sportliche Aktivitäten. Ein kleiner Spaziergang hingegen ist immer möglich. Am liebsten mache ich mich auf den Weg zur Eisdiele in meiner Straße, kaufe eine Kugel Bananeneis im Becher und schlendere damit durch mein Viertel.

Während ich durch die Straßen laufe, die Abendstimmung genieße, mein Bananeneis in der Hand und das Vogelgezwitscher in den Ohren, fällt es mir leicht, friedlichen den Tag abzuschließen und noch ein paar kostbare Atemzüge frische Luft mit nach Hause zu nehmen.

Übrigens lässt sich dieses Ritual auch hervorragend zu zweit genießen …

Tipp #2

Das Gegenteil von Routine

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Das Internet schwirrt von „Routinen, die dein Leben verändern werden“. Meditation. Yoga. Ingwertee. Green Smoothies. Laufsport. Ich habe es alles ausprobiert, liebgewonnen und liegen gelassen.

Routiniertes Verhalten erleichtert Arbeitsabläufe und soziale Interaktionen. Leider stellt das Abspulen von Routinen jedoch keine Herausforderung für unser Gehirn dar. Jeder Mensch, der seine Morgenroutine schon mal mit einem erheblichen Schlafdefizit durchgeführt hat, weiß, dass wir gewisse Handlung auch im Autopilot abspulen können.

Um auch unser Gehirn auf Trab zu halten, kreatives Denken zu fördern und ein wenig Spannung im Alltag aufrecht zu erhalten, hilft ein kleiner Trick: Gehe ungewohnte Wege. Du trinkst jeden Morgen einen Cappuccino? Wie wäre es heute mit einem Espresso Macchiato? Du fährst jeden Abend fünf Stationen mit dem Bus nach Hause? Geh den gleichen Weg doch mal zu Fuß. Du isst jeden Mittag mit den gleichen Kollegen? Erweitere deinen Lunch-Circle.

Minimale Veränderung lassen unser Gehirn aus seinem Snooze-Modus erwachen und ganz nebenbei entdecken wir vielleicht, dass ein Espresso Macchiato eigentlich unser Lieblingsgetränk ist.

Tipp #3

Zeit mit mir

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Zeit mit Freunden zu verbringen, ist in meinen Augen ein wenig wie Vitamin C. Eine Grundversorgung führt dazu, dass man sich frisch und vital fühlt. Glück und Zufriedenheit durchströmen den Körper. Das Leben ist im Gleichgewicht. Auf Neudeutsch lässt sich das Gesamtgefühl unter #blessed zusammenfassen.

Sobald dieses sorgfältige Equilibrium aber umschlägt und der Sättigungsgrad überschritten wird, macht sich ein gewisses Unwohlsein bemerkbar. Unbehagen und Übelkeit können sich einstellen und am Ende fühlt man sich erschöpft und übermüdet.

Ich liebe meine Freunde. Sie sind wie Pralinen – einzigartig und wunderbar. Sie bereichern mein Leben und lassen an grauen Tagen die Sonne scheinen. Aber ich kann nicht jeden Tag Pralinen essen. Zeit alleine ist einer der Grundbausteine für mein persönliches Glück. Echte Freunde verstehen das.

Tipp #4

Liebe oder Lust

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Fürsorge bedeutet abzuwägen: Wenn das Kind in dir nach einer Familienpackung Schokoeis mit Bananen- und Keksstückchen schreit, dann ist die Mutter in dir dafür verantwortlich zu sagen: „Schatz, wie wäre es mit einer gesunden Hauptmahlzeit und einer Kugel Vanilleeis. Du verträgst nämlich keine Weizenmehlprodukte, ergo auch keine Keksstückchen …“

Self-lust ist, wenn wir uns alles gönnen, ohne Rücksicht auf Verluste – nur um einem kurzen, heftigen Verlangen nachzugeben. Self-lust ist Fertig-Pizza statt Gemüse, der dritte Drink statt dem Taxi nach Hause, die fünfte Tasse Kaffee, statt einem Spaziergang an der frischen Luft.

Self-love ist nachhaltige Fürsorge. Die weitsichtige, mütterliche Liebe, die uns durch unsere Kindheit begleitet hat.

Tipp #5

Putz- und Flickstunde

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Es gibt ein paar Momente in meinem Leben, in denen ich das Gefühl habe, dass eine gute Ordnung herrscht, die mir Sicherheit gibt. Hier ein kleiner Auszug:

  1. Wenn ich meine Umsatzsteuervoranmeldung zur Post gebracht habe.
  2. Wenn ich ein passendes Unterwäsche-Set trage.
  3. Wenn meine Augenbrauen frisch gezupft sind.

Der letzte Punkt mag im ersten Moment lächerlich klingen. Menschen, die viel Zeit und Liebe in ihr Äußeres stecken, wird oft Oberflächlichkeit vorgeworfen. Ich möchte an dieser Stelle eine Lanze für ein gepflegtes (nicht über-pflegtes) natürliches Äußeres brechen.

Es ist Arbeit, seinen Körper fit und gesund zu halten. Glänzende Haare, starke Nägel, elastische Haut – das alles kommt nicht von ungefähr. Diese Arbeit schätze ich bei Anderen und auch bei mir selbst. Deswegen räume ich der Pflege meines Körpers ausreichend Zeit ein.

Während ich sonntagnachmittags bade, peele, feile und lackiere, höre ich ein Hörbuch und erfreue mich des Lebens. Ich danke meinem Körper, dass er für mich da ist. Schließlich steht uns noch ein ganzes gemeinsames Leben bevor.

Fürsorglich mit sich selbst zu sein, bedeutet in meinen Augen nicht, sein gesamtes Leben auf links zu drehen und wie eine strenges Kindermädchen jeden Schritt zu bewachen, zu bewerten und zu korrigieren. Es ist viel mehr das Streben danach, freundliche Kleinigkeiten in den Alltag einfließen zu lassen, die uns dabei helfen gesund und zufrieden zu sein. Und – an der nächsten Ecke gibt es immer etwas Neues zu entdecken!

Ich bin neugierig auf euren liebsten Self-Care-Tipp …

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Diskussion

Ein Kommentar zu “5 Self-Care Tipps”
  1. Lakritz sagt:

    Toller Artikel!
    Meine Tipps wären ähnlich.
    Gutes, frisches, versorgendes Essen. Abenteuer im Alltag (einfach mal ins andere Cafe gehen ;)). Regelmäßige Bewegung (geht auch zur Arbeit). Eigene Termine wichtig nehmen und einhalten. Traurig sein zulassen und nicht analysieren – ist halt so – geht auch wieder. Entspannung (bei mir ASMR). Im Moment leben. Schritt für Schritt. Nicht abwesend sein. Den Körper als Tempel verehren ;). Klingt so blöd, aber kam mir lange komisch vor, dieses Gekümmere. Aber du hast Recht, wenn ich mich bewusst kleide und pflege, fühle ich mich sortierter und bewusster.
    Grüße

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