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Ich bin ein Morgenmensch. Frisch geschminkt und gut gelaunt verlasse ich das Haus. Die Person, die sich nach acht Stunden wieder durch meine Wohnungstür schleppt, erkenne ich manchmal selbst kaum wieder. Der Lidstrich sieht eher nach 80s Glam Rock als nach Audrey Hepburn aus. Die Glieder sind schwer – die Lider ebenfalls.

Meistens ist mir danach, auf meinem Bett zusammenzusacken und den Tag möglichst schnell hinter mir zu lassen. Mir ist jedoch bewusst, dass 20 Uhr keine passable Schlafenszeit für eine junge, kinderlose Frau ist. Was also lässt sich anfangen mit der Zeit zwischen Heimkehr und Schlaf? Die abendlichen Stunden, in denen man zu erschöpft ist, um große Sprünge zu machen, aber dennoch nicht in den Schlaf sinken möchte?

Tipp #1

Change Clothes

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Wenn ich nach Hause komme, entferne ich als erstes die kümmerlichen Überreste meines Tagesmakeups. Meine Abschminkroutine befindet sich stets im Wandel. So sieht mein Programm aus:

  1. Den Tag mit einem Mizellenwasser
  2. Das Gesicht waschen und trocken tupfen.
  3. Die Stirnpartie mit Feuchtigkeit versorgen, die unruhige Kinnpartie ausgleichen und meine sensiblen Augen beruhigen.

Am liebsten widme ich mich der abendlichen Reinigung, wenn ich noch wach genug bin, um mir für alle Schritte Zeit zu nehmen – nicht halb bewusstlos, kurz vor Mitternacht.

Meine Liebe für hübsche Pyjamas und Morgenmäntel führe ich auf eine frühe Leidenschaft für 50er Jahre Hollywood-Klassiker zurück. Sobald ich mich meiner Straßenkleidung entledigt habe und einen hübschen Pyjama trage, fühle ich mich Grace Kelly gar nicht mehr so fern.

Tipp #2

Soothe Your Mind

Eine der Herausforderungen, die viele Menschen vor dem Schlafen heimsucht, ist das berühmte Gedankenkarussell. Um Ordnung in den Kopf zu bringen, ist es hilfreich, offene Punkte abzuschließen, bevor das Bett ruft. Sollte eine E-Mail noch verschickt werden? Stapelt sich der Abwasch in der Spüle? Könnte im Badezimmer noch gesaugt werden? Kleine Tasks lassen sich noch am Abend abhaken – die größeren Anliegen werden auf eine To-Do Liste verfrachtet, damit sie nicht nachts um eins auf dem Nachttisch Remmidemmi machen.

Wenn alle Gedanken umgeschichtet wurden, ist es hilfreich, sich noch ein bisschen zu beruhigen. Forscher an der Sussex University haben herausgefunden, dass nur sechs Minuten Lesen den Stresslevel im Körper um 68% senken kann. Ich verschlinge derzeit den Roman „Unterleuten“ von Juli Zeh. Ein Buch zu lesen kostet zwar im ersten Moment weitaus mehr Überwindung, als seine Lieblingsserie einzuschalten; die sanfte Müdigkeit, die beim Lesen aufsteigt und mich einlullt, ist jedoch unvergleichlich.

Tipp #3

Meet me Outside

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Wenn ich nach der Arbeit etwas unternehme, durchlaufe ich ein Vier-Phasen-Modell.

Phase 1 – Ablehnung. Mein Rechner fährt runter, ein Blick in den Terminkalender sagt mir, dass ich jetzt ein bisschen dalli machen muss. Sonst komme ich zu spät. Maulig schminke ich mich nach und nörgle vor dem Spiegel rum, dass ich jetzt eigentlich schon ganz gerne nach Hause gehen würde.

Phase 2 – Ergebenheit. Auf dem Weg zu meiner Verabredung macht sich die bayerisch-fatalistische Hälfte meines Erbguts bemerkbar – Umdrehen können wir fei net mehr, also wird das Beste aus der Situation gemacht.

Phase 3 – Begeisterung. Das Essen schmeckt gut, die Geschichten sind spannend, die Freunde geistreich und witzig. Mein Herz schlägt schneller und ich spüre, wie sich die Müdigkeit und Anspannung des Tages verflüchtigen.

Phase 4 – Glückseligkeit. Auf dem Weg nach Hause schwöre ich mir, in der Zukunft wieder mehr abendliche Unternehmungen einzuplanen. Schön war das!

Ein abendlicher Ausflug allein stimmt mich übrigens auch höchst zufrieden. Neulich war ich freitagabends spontan im Kino und kam ganz beschwingt nach Hause. An einem lauen Sommerabend gibt es für mich kaum etwas Schöneres, als bei einem Eis und einer Runde um den Block den Tag ausklingen zu lassen.

Tipp #4

Feed Me Love

Meiner Meinung nach gibt es zwei Arten von Menschen: Auf der eine Seite haben wir das Team „Kochen entspannt mich ja so. Es ist unglaublich!“. Auf der anderen Seite steht das Team „Ich mache mir etwas zu essen und sei es mit Hilfe von Küchengeräten“.

Ich esse gerne und koche pragmatisch. Ich schätze eine warme Mahlzeit am Abend – für mich ist das ein Inbegriff von Gemütlichkeit. Was ich weitaus weniger schätze, ist stundenlanges werkeln am Herd. Hier also drei schnelle Lösungen, die Jamie Oliver Freudentränen in die Augen treiben würden.

  1. Suppe – Am Wochenende vorkochen, aufwärmen, noch eine kleine Wursteinlage oder frische Kräuter drauf – zack fertig. Abendbrot in 10 Minuten.
  2. Ofengemüse –  im Winter nicht wegzudenken: Pastinaken, Rote Bete, Möhren, Kartoffeln – italienische Kräuter, einen Hauch Olivenöl und Ziegenkäse drüber und dann in den Ofen. In den 15 Minuten, die das Gemüse braucht, kann man sich übrigens hervorragend abschminken.
  3. Nudeln mit Tomatensauce – Es gibt Abende, da ist einem nicht nach Low Carb oder leichter Küche – da sehnt man sich nach substanziellem Soul Food. Pasta ist in 10 Minuten gekocht. Eine leckere Tomatensauce steht hoffentlich im Kühlschrank. Eine Schicht Parmesan und etwas Basilikum dazu – der Himmel im Teller.

Tipp #5

Easy Listening

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Ich liebe es, wenn mir Menschen Geschichten erzählen. In Zeiten des Internets kann ich dieser Vorliebe hemmungslos nachgeben. Kochen, Aufräumen und das Abendbrot werden meistens von den Klängen eines Podcast meiner Wahl begleitet.

Der Podcast ist eine Modeerscheinung geworden. Aber zwischen einer Vielfalt von Amateurprodukten gibt es auch Perlen, in die es sich wirklich lohnt, herein zu hören. Hier meine Top 3:

  1. Fest & Flauschig

Jahrelang habe ich mich gegen die wöchentliche Blödelei von Olli Schulz und Jan Böhmermann verwehrt. Irgendwann habe ich doch hineingehört und musste so laut lachen, dass ich beinahe aus unserem Gemeinschaftsbüro verbannt wurde. Kurzweilig und amüsant.

  1. Designs Matters

Debbie Millman interviewt in jeder Folge des Podcast eine Persönlichkeit aus Kunst und Kultur. Gerade für Designer und Kreative ist dieses Format interessant und bereichernd. Außerdem ist die Stimme von Debbie Millman samt in meinen Ohren. Inspirierend (und auf englisch).

  1. Spooks

Die kostenlose App „Spooks“ zeigt dir alle verfügbaren Hörbücher und Hörspiele der gängigen Musik Streaming-Dienste (Spotify, Deezer, Apple Music). Für eingefleischte Hörbuch-Fans ist die Übersicht eine echte Bereicherung.

Wie gestaltet ihr eure Abendroutine?

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