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In meinem Freundeskreis stehen die ersten Hochzeiten an. Dies freut mich immens, denn wer wird nicht gerne zu rauschenden Festen mit Himbeer-Baiser-Torten und einer Open Bar eingeladen? Auf der R.S.V.P. Karte kreuze ich stets vergnügt „ohne Begleitung“ an. Was für mich völlig in Ordnung ist, hat bei einigen Menschen in meinem Umfeld Besorgnis erregt.

Eines abends, bei Spaghetti und Rotwein, wagte sich eine Freundin vor: „Benutzt du Tinder?“, fragte sie mich interessiert. Ich verneinte. „Dann solltest du es vielleicht mal mit Parship versuchen. Das kostet Geld und somit sind mehr Leute dabei, die auf der Suche nach was Ernstem sind. Mein Cousin hat dort eine tolle Frau kennengelernt. Die sind bestimmt die nächsten, die heiraten werden.“

Mich rührt das Interesse meiner Freunde. Doch ich möchte weder tindern noch parshipen. Ich möchte mein Schicksal nicht in die Hände von Algorithmen und binären Strukturen geben. Ich bin eine hoffnungslose Romantikerin!

An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich erwähnen, dass ich rein gar nichts gegen Online Dating im Allgemeinen einzuwenden habe. Es ist nur nichts für mich. Ich möchte meinen Mann im Supermarkt kennenlernen, weil wir zeitgleich zur letzten Packung Bio-Tiefkühlerbsen greifen. Oder im Café, weil wir zufällig denselben Roman lesen. Oder im Waschsalon, wo ich ihm mein Fleckensalz ausleihe, wofür er sich mit einem Café bedankt.

Von mir aus, darf er auch auf einer Party von gemeinsamen Freunden auftauchen.

Und obwohl es so scheint, als würde die ganze Welt swipen und clicken, um an unkomplizierten Sex oder die große Liebe zu kommen, ist die Statistik auf meiner Seite. Jedes dritte Paar lernt sich im Freundeskreis kennen, dicht gefolgt vom Arbeitsplatz (dazu zählen Schule oder Ausbildung). Kneipen und Clubs stehen an dritter Stelle. Auf Platz vier sind Sport und Vereine.

Und das Internet? Das bildet das Schlusslicht – vergleichsweise mickrige 5,6% der Paare lernen sich online kennen.

Also, wenn du gerade mit dem Gedanken spielst, eine Dating App zu installieren – lies doch erst mal weiter. Ich bin für euch in das Epizentrum des Offline Datings gewandert und dort sieht es gar nicht so übel aus.

Tipp #1

Bei der Arbeit

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Angeblich lernt jeder zehnte Deutsche seinen Partner bei der Arbeit kennen. In Anbetracht der zahlreichen Stunden, die man mit Kollegen verbringt, ist das nicht weiter verwunderlich.

Doch was sich erst mal nach einer Lehrbuch-Statistik anhört, ist bei näherer Betrachtung relativ kompliziert. Unsere Großeltern hätten es vielleicht noch so formuliert: Tauche deinen Füller nie in Firmentinte. Heutzutage wird die Liebe unter Kollegen meist großzügiger akzeptiert – dennoch sollte man sich deutlich über mögliche Konsequenzen bewusst sein. Insbesondere stellt sich die Frage, was passiert, wenn es nicht klappt?

Unverfänglicher ist die Liebe am Arbeitsplatz, wenn die Gefühlssituation nicht jeden Tag auf die Arbeit abfärben kann, weil das Unternehmen so groß ist, dass die Chancen sich ungewollt in der Kantine oder auf dem Flur zu begegnen nur sehr gering sind. Und dann gibt es ja noch die „Generation Coworking“. In Gemeinschaftsbüros herrscht Trubel und Austausch. Dennoch trägt man für die Arbeit der anderen keine Verantwortung. – Ein leichter Einstieg für Arbeitsbienen und Social Butterflies.

Tipp #2

Im Café

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Was gibt es schöneres, als an einem freien Sonntag mit einem guten Buch und einem leckeren Cappuccino in der Sonne zu sitzen? Wenn du dir das richtige Café (Studentenviertel ja, Kitaeinzugsgebiet nein) aussuchst, dann hat diese Freizeitbeschäftigung einen willkommenen Nebeneffekt. Ein guter Freund klärte mich vor vielen Jahren auf: Frauen, die lesen, wirken klug und geheimnisvoll. Trotzdem scheinen sie nicht so unnahbar, wie jemand, der sich zwischen seinen Kopfhörern verschanzt.

Es kann also gut sein, dass jemand das Gespräch sucht. Für schüchterne Menschen ist der Weg mit der Frage „Was liest du denn da?“, schließlich schon fast geebnet.

Tipp #3

Unter Freunden

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Anfang des Jahres organisierte eine Bekannte von mir eine Single Party. Alle Menschen in ihrem Bekanntenkreis, die Single waren, wurden eingeladen und sollten einen Singlefreund/in mitbringen.
Unseren befreundeten Paare trieb diese Veranstaltung Sorgenfalten auf die Stirn. Plump. Grotesk. Verzweifelt. Es wurde vorab viel gemunkelt und sich mokiert.

Die Party wurde jedoch ein voller Erfolg. Ich weiß nicht, ob jemand an dem Abend die große Liebe gefunden hat. Doch die Stimmung war ausgelassen und alle Anwesenden unterhielten sich prächtig. Ich lernte sympathische Frauen und tolle Männer kennen. Es lag zwar keine Liebe in der Luft, aber als Singlefrau ist es eine befreiende Erfahrung, sich auf einer Party mit einem netten Mann über Gott und die Welt zu unterhalten, ohne die unterschwellige Befürchtung, dass jeden Moment seine Freundin zwischen den Salzstangen auftaucht und dich mit Nic Nacs und bösen Blicken bewirft.

Tipp #4

Mit erhöhtem Puls

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In den 70er Jahren veröffentlichten die Psychologen Donald Dutton und Arthur Aron (Ja, Alliterationen waren damals en vogue) ein Experiment, das sie auf Fußgängerbrücken im Capilano Canyon durchgeführt hatten.

Eine Gruppe von Männern wurde über eine wackelige, schmale Fußgängerbrücke geschickt, auf deren Mitte eine attraktive Frau mit einem Fragebogen auf sie wartete. Die Männer beantworteten den Fragenbogen und die Damen gab ihnen eine Nummer, welche angeblich für Rückfragen vorgesehen war.

Das gleiche Prozedere wurde auf einer stabilen, breiten Brücke durchgeführt. Viele der Männer aus der Gruppe, die die instabile Brücke überquert hatte, fühlten sich zu der Interviewerin hingezogen und meldeten sich anschließend bei ihr. Von den Männern, die die stabile Brücke überquert hatten, rief beinahe niemand an.

Der Begriff „Misattribution of arousal“ war geboren. Bitte was?! Das Prinzip hört sich kompliziert an, ist aber ganz einfach. Menschen können die körperlichen Reaktionen auf Angst oder Stress aus Versehen romantischen Gefühlen zuschreiben.

Situationen in denen sich unser Puls beschleunigt, wir schwer atmen oder das Gefühl haben einen Kick zu erleben, können in unserem Kopf zu Verwirrung führen. Anstatt die Reaktionen auf unsere körperliche Aktivität zurückzuführen, gehen unsere Gedanken sozusagen einen Umweg und wir finden unser Gegenüber in besagten Situationen anziehender – glauben bisweilen sogar, romantische Gefühle entwickelt zu haben. Körperliche Anstrengung sowie Sport sind für’s Flirten demnach optimal.

Wer Fitness Studios meiden möchte, ist in einer Laufgruppe gut aufgehoben. Besonders Frauen haben durch den hohen Männeranteil eine große Auswahl und auf einer Strecke von acht Kilometern beschleunigt sich nicht nur der Puls; es bieten sich auch genug Gelegenheiten ins Gespräch zu kommen.

Tipp #5

Im Supermarkt

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Nur weil wir unsere Technik unaufhörlich vorantreiben, glauben wir der Mensch würde sich parallel dazu zu genauso rasant entwickeln. Doch was nützen zahlreiche Dating Apps und die präzisesten Algorithmen, wenn wir blind und emotional verkümmert durch den Alltag stolpern?

Neulich erzählte mir eine Freundin, dass einer der häufigsten Sätze in Tinder-Profilen lautet: „Ich hätte dich auch lieber im Supermarkt kennengelernt“. Da stellt sich doch die Frage, warum in den besagten Supermärkten die meisten Menschen wahlweise auf ihr Handy oder vergrantelt in die Luft starren?

Gerade der Supermarkt im Viertel ist übrigens gar kein abwegiger Ort, um seinen zukünftigen Partner kennenzulernen. Genauso wie die U-Bahn zur Arbeit. Oder das Café, in dem man jeden Samstagmorgen sein Wochenende einläutet. Was haben diese Plätze gemeinsam?

Wir kehren immer wieder an sie zurück und bewegen uns dort bestenfalls in einer Gruppe von Menschen, die wir vom Sehen kennen.

Evolutionär bedingt hat der Mensch eine Zurückhaltung gegenüber dem Unbekannten. Menschen, die einen wiederkehrenden Gastaufritt in unserem Leben haben, erscheinen uns seltsam vertraut. Diese Vertrautheit schätzt unser Unterbewusstsein und sie sind uns angenehmer als Wildfremde.

Mit anderen Worten: Setz dich doch das nächste Mal auf den freien Platz neben dem gutaussehenden Mann, der mit dir jeden Morgen im Bus zur Arbeit fährt. Eure Unterbewusstsein sind ja schließlich schon alte Bekannte …

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