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Als Kind war Weihnachten für mich eine Zeit der Wunder. Meine Mama gab ab dem 1. Dezember die Weihnachtslieder frei. Danach jagte ein Highlight das nächste: Plätzchen backen, nach versteckten Geschenken stöbern und, wenn ich ganz großes Glück hatte, barfuß im Hinterhof durch den ersten Schnee rennen.

Neulich fuhr ich auf dem Heimweg durch das Lichtermeer der Innenstadt und fühlte mich für einen kurzen Moment wieder wie ein kleines Mädchen, das den Weihnachtsglanz kaum fassen kann. Der goldene Augenblick währte nur kurz. Ein Ehepaar brach auf dem Bürgersteig in eine hitzige Diskussion aus, und an der nächsten Kreuzung endete ein waghalsiges Rechts-vor-Links Manöver in einem Hupkonzert. Merry Christmas!

„Vor Weihnachten schaffen wir das nicht mehr …“, „Zur Zeit geht es einfach nur drunter und drüber!“, „Ich muss noch so viel erledigen – ich weiß gar nicht wo mir der Kopf steht!“. Wenn dir einer dieser Sätze bereits durch den Kopf gegangen ist und deine Vorweihnachtszeit eher einem ermüdenden Hürdenlauf, als besinnlichen Beisammensein gleicht, dann ist unter den folgenden fünf Tipps vielleicht etwas für dich dabei …

Tipp #1

Jeder Pflicht wohnt ein Zauber inne

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Es gibt gewisse Dinge, die müssen in der Vorweihnachtszeit einfach erledigt werden. Nehmen wir einen Klassiker: Geschenke besorgen. Du hast zwei Möglichkeiten. Option A: Du suchst dir den Samstagnachmittag vor dem Heiligen Abend aus, um zähneknirschend durch die Innenstadt zu marschieren und dabei wüste Verwünschung in die Menschenmasse auszustoßen. Option B: Du stehst früh auf und bist gleich um 10 Uhr in den Geschäften (im nächsten Jahr kannst du dich schon Ende November mit der Wunschliste deiner Lieben befassen). Dann hakst du in Ruhe deine Geschenkeliste ab, machst am Glühweinstand halt und nutzt die nächsten Abende dazu, all’ deine Errungenschaften liebevoll zu verpacken.

Das Prinzip ist übrigens übergreifend anwendbar. Es ist erlaubt beim Schreiben der Weihnachtskarten seine Spotify Playlist „Christmas Forever“ anzumachen und die ersten Plätzchen zu knabbern. Es gilt ebenfalls nicht als unerhört, sich zum Tannenbaumkauf einen Coffee zu Go (mit Schuss) einzupacken … Nur, weil etwas in die Kategorie „Aufgaben“ fällt, heißt es ja noch lange nicht, dass es nicht auch ein bisschen Spaß machen kann.

Tipp #2

Erwartungen klären

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Da sich lange Winterabende perfekt für Märchenstunden eignen, möchte ich euch diese Geschichte nicht vorenthalten.

Es war einmal ein altes Ehepaar, das war seit 40 Jahren verheiratet. Jeden Morgen teilten sich der Mann und die Frau zum Frühstück ihre Brötchen. Die Frau aß stets die knusprige obere Hälfte, der Mann stets die flache untere Hälfte. Eines Tages ging der Frau beim Aufschneiden der Brötchen ein Gedanke durch den Kopf: „Ich verzichte meinem Mann zuliebe immer auf die untere Hälfte. Heute gönne ich mir ausnahmsweise diesen besonderen Leckerbissen selbst.“ Als sie ihrem Mann die knusprige obere Hälfe reichte, konnte er sein Glück kaum fassen: „Mein Schatz, seit Jahren überlasse ich dir zuliebe die obere Hälfte – womit habe ich diese Leckerei denn gerade heute verdient?“

Immer wenn es an die Planung eines besonderen Ereignisses im Familien–, Kollegen– oder Freundeskreis geht, muss ich unweigerlich an diese Geschichte denken. In unserem Streben danach, jedes Fettnäpfchen auszulassen, es möglichst allen Recht zu machen und keine Unruhe zu stiften, werden wir übereifrig darin, unserem Gegenüber (gerade wenn es sich um geliebte Menschen handelt) die Wünsche von den Lippen abzulesen.

Auch wenn die Vorstellung im ersten Moment unangenehm erscheinen mag: Es ist enorm hilfreich, sich mit seiner Weihnachtsgesellschaft kurzzuschließen, um herauszufinden, was ihnen besonders wichtig ist. Gleichzeitig kannst du loswerden, was in deinen Augen auf keinen Fall fehlen darf.

Tipp #3

Früh anfangen

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Anfang November rief mich meine Mutter an, und teilte mir mit, dass sie schon in den ersten Weihnachtsvorbereitungen stecke. Was mir im ersten Moment als übertriebene Planungswut erschien, entpuppte sich recht schnell als kluger Schachzug.

Wenn die Familie zusammenkommt, dann stehen zwar Christbaumschmuck und Gänsebraten im Vordergrund. Doch es gibt auch ganz profane Angelegenheiten zu klären. Die Frage ob genug Klopapier, Mineralwasser und Geschirrspültabs für die geselligen Festtage im Haus sind, ist zwar unspektakulär aber wichtig.

Wer im Besitz eines Kellers, einer Vorratsnische oder eines geräumigen Küchenschrankes ist, kann ruhig im November schon anfangen, das Heim auf die Festtage vorzubereiten. An der Supermarktkasse wird man eventuell für einen Weltuntergangstheoretiker gehalten. – Aber wer hat schon Lust, am 23. Dezember mit Küchenrolle und Weichspüler durch die Stadt zu stapfen?

Also, wer es noch nicht gemacht hat – geht durch eure Vorräte und füllt alles für die Weihnachtstage auf …

Tipp #4

Rituale pflegen

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Das Weihnachtsfest bietet glücklicherweise ein breites Spektrum an Traditionen und Ritualen, die man sich zu eigen machen kann. Der Nikolausstiefel, die Weihnachtsbäckerei, der Adventskalender, die Mitternachtsmesse, Kartoffelsalat und Würstchen … Die Liste könnte endlos weitergehen, zumal jede Familie die allseits bekannten Freuden durch ihre eigenen Traditionen ergänzt.

Als junger Mensch scheinen einem altgediente Rituale zuweilen überflüssig. Was ich im Alter von 18 Jahren noch spießig fand, entdecke ich jetzt, wo ich meinen 26. Geburtstag feiere, wieder. Stell dir die Weihnachtsrituale wie ein Pick and Mix Stand im Kino vor. Du kannst dir deine persönliche gemischte Tüte an Ereignissen und Traditionen zusammenstellen. Trist wird es nur dann, wenn du vor lauter Mäkelei nichts in deine Tüte packst und den ganzen Film über traurig zu den Apfelringen deines Nachbarn herüberlinst.

Tipp #5

Zeitfenster schaffen

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Mit einem erhöhten Arbeitspensum, familiären Verpflichtungen und inneren Ansprüchen im Nacken ist es – meiner Meinung nach – unrealistisch, im Dezember die großen Sprünge im Bereich „Me Time“ zu machen.

Natürlich würde man einen Nachmittag im Dampfbad den ebenbürtigen Temperaturen im Kaufhaus vorziehen. Klar, es wäre schön, die Füße hochzulegen und den Dienst nach Vorschrift anzutreten. Trotzdem ziehe ich es vor, die langen Ausflüge und schönen Stunden für mich in den Januar zu verlegen. Die schönste Massage bringt schließlich wenig, wenn ich sie abgehetzt zwischen zwei weiteren Terminen wahrnehmen muss.

Wenn der Terminkalender überquillt, finde ich es sinnvoller, in „10 Minutes of Bliss“ zu investieren. Sei es eine kleine Yoga Sequenz am Morgen, den Weg ins Büro zu einem kurzen Spaziergang in der Wintersonne machen, ein Fußbad oder eine Feuchtigkeitsmaske am Abend. Diese kleinen Momente reichen oft schon, um das gefühlte Hamsterrad anzuhalten.

Ich hoffe, es ist für euch eine Anregung dabei. Wie immer würde ich mich freuen, von euch zu lesen. Schreibt mir doch eure Tipps gegen Vorweihnachtsstress.

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Diskussion

2 Kommentare zu “5 Tipps, wie Weihnachten dieses Jahr richtig nett wird”
  1. Andrea sagt:

    Wunderschöne Illustrationen! Die Tipps sind sicher hilfreich für jene, die sich immer so unter Druck setzen mit all den Weihnachtsvorbereitungen. Früher hatte ich noch ganz hohe Erwartungen und das kann manches Mal eigentlich nur in die Hose gehen. Seit ich alles gelassen und entspannter angehe und auch eher plane, kann ich Weihnachten auch richtig genießen – aber, es war ein Prozess^^ Liebe Grüße

  2. Mia Mia sagt:

    Dieser Artikel ist sooo toll! <3

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