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Bild: © Edo Bertoglio, courtesy of Maripol, Artwork: © VG Bild-Kunst Bonn, 2018 & The Estate of Jean-Michel Basquiat, Licensed by Artestar, New York

Downtown Manhattan, 1977. Der Graffiti Tag SAMO© (Same Old Shit) taucht vereinzelt an Gebäudefassaden in SoHo und East Village auf. Den Tag begleiteten kritische Phrasen und Äußerungen zu Kunst und Kommerz. Der Tag benutzt, persifliert und wird zum Instrument für Anti-Kunst. An den Galeriewänden in SoHo vor allem dort angebracht, wo man die neueste Kunst zu sehen und kaufen bekommt, rückte SAMO© schnell in den Fokus der Öffentlichkeit.

„SAMO© as an end to mindwash religion, stop running around with the radical chic playing art with daddy’s dollars.“

SAMO© waren Jean-Michel Basquiat und Al Diaz, beides noch Teenager. Albert Diaz war fester Bestandteil der New Yorker Graffiti-Szene. Basquiat wenige Jahre später der erste afroamerikanische Künstler, der sich in einer von Weißen dominierten Kunstszene einen Namen machen sollte. Hochintelligent, bereits als Kind mehrsprachig, künstlerischer Autodidakt und später enger Künstlerfreund von Andy Warhol. Als jüngster Kunstschaffender überhaupt nahm der damals 21 Jahre alte Basquiat 1982 an der documenta 7 teil. Seine Bilder hingen neben Werken von Joseph Beuys, Anselm Kiefer und Gerhard Richter. SAMO© war der Anfang, heute zählt Jean-Michel Basquiat (1960–1988) zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts.

„I am not a black artist, I am an artist.“

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BASQUIAT. BOOM FOR REAL, Ausstellungsansicht, © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2018, Foto: Norbert Miguletz, Kunstwerke: © VG Bild-Kunst Bonn, 2018 & The Estate of Jean-Michel Basquiat, Licensed by Artestar, New York

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Jean-Michel Basquiat, Self-Portrait, 1983, Oil on paper and wood, Collection Thaddaeus Ropac, © VG Bild-Kunst Bonn, 2018 & The Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York. Courtesy Collection Thaddaeus Ropac, London

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Edo Bertoglio, Jean-Michel Basquiat on the set of Downtown 81, 1980–81, © New York Beat Film LLC, By permission of The Estate of Jean-Michel Basquiat, Licensed by Artestar, New York, Photo: Edo Bertoglio

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Jean-Michel Basquiat, King Zulu, 1986, Acrylic, wax and felt-tip pen on canvas, MACBA Collection. Government of Catalonia long-term loan. Formerly Salvador Riera Collection, © VG Bild-Kunst Bonn, 2018 & The Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York, Photo: Gasull Fotografia

BASQUIAT: Boom for Real

Mehr als 30 Jahre nach Basquiats letzter Einzelpräsentation in einer öffentlichen Sammlung in Deutschland widmet die Schirn seinem OEuvre eine große Überblicksausstellung. Nach London ist Basquiat: Boom for Real nun auch vom 16.02-27.05.2018 in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt zu sehen.

Basquiats Kunst nimmt sich die Gesellschaft zum Vorbild, die Einflüsse sind mannigfaltig. Seine Malerei richtet sich gegen Ausbeutung, Konsumwahn, Unterdrückung, Rassismus und Polizeigewalt. Leuchtende Farbigkeit, Schrift- und Textfragmente zeugen von einem spielerischem Umgang mit Sprache. Basquiat war nicht nur Maler und Zeichner, sondern auch Performer, Schauspieler, Dichter, Musiker und DJ. Er liebte den Rhythmus, Rap, das Sampeln und Scratchen. Verschiedene Jazzmusiker beeinflussten ihn genauso wie wie Andy Warhol, Jackson Pollock, Roy Lichtenstein und Robert Rauschenberg, Henri Matisse oder Pablo Picasso.

1981 gelang Basquiat mit seinen Werkpräsentationen in der Gruppenausstellung New York/New Wave im P.S. 1 der Durchbruch. Arbeiten wie Untitled (1980), eine über zwei Meter hohe Metallplatte mit „NEWYORK NEWAVE“-Schriftzug, sowie eine umfassende Werkgruppe können in der Schirn Kunsthalle erstmals wieder als größeres Konvolut betrachtet werden. Auch die Werke seiner ersten US-Einzelausstellung aus dem Jahr 1982 werden im Rahmen von Boom for Real präsentiert. Arbeiten aus dem Schaffen zusammen mit Warhol in den Jahren 1984 und 1985 sind ebenfalls ausgestellt. Die Schirn zeigt u. a. Arm and Hammer II (1984) von Basquiat und Warhol und das Doppelporträt Dos Cabezas(1982), das Basquiat unmittelbar nach der ersten Begegnung mit Warhol anfertigte.

„I wanted to be a star, not a gallery mascot.“

Basquiat wollte berühmt sein, ein Star. Das war er kurz vor seinem Tod tatsächlich, seine Werke hingen im MoMA und sein Porträt zierte das Cover der New York Times. Im August 1988 starb er an einer Überdosis Heroin. Basquiat hinterlässt über 800 Gemälde und 1500 Zeichnungen. Die Kuratoren Eleanor Nairne vom Londoner Barbican und Dieter Buchhart für die Schirn haben circa 100 Werke zusammengetragen, um das kurze, aber intensive künstlerische Schaffen von Jean-Michel Basquiat erlebbar zu machen.

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Jean-Michel Basquiat at Area, New York, 1984, Courtesy Jennifer Goode

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Edo Bertoglio, Jean-Michel Basquiat wearing an American football helmet, 1981, Photo: © Edo Bertoglio, courtesy of Maripol, Artwork: © VG Bild-Kunst Bonn, 2018 & The Estate of Jean-Michel Basquiat, Licensed by Artestar, New York

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Beth Phillips, Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat and Francesco Clemente, 1984, © Beth Phillips, courtesy Galerie Bruno Bischofberger, Switzerland

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Jean-Michel Basquiat, Untitled (Crown), 1982, Acrylic, ink and paper collage on paper, Private collection, © VG Bild-Kunst Bonn, 2018 & The Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York

Basquiat: Boom For Real in der Schirn

Basquiat war ein künstlerisches Genie, das sehr früh einen eigenen Stil entwickelt hat. Er liebte den Bruch mit der Konvention, wie am Fließband zu produzieren, den Rausch der Gedanken ungefiltert aufs Papier zu bringen. Besucht man die Ausstellung in der Schirn, wird man mit einer merkwürdigen Aktualität konfrontiert. Man realisiert nicht, dass inzwischen bereits 30 Jahre Zeit vergangen sind. Rassismus, Polizeigewalt und Unterdrückung sind bei Betrachtung der Rassenpolitik in den USA noch immer von Brisanz gezeichnet. Im Zuge der Globalisierung beherrschen Ausbeutung und Konsum unseren westlichen Lebensstil. Basquiats Sprache und Kritik sind nach wie vor aktuell.

Während der Künstler wie in Trance arbeitete, schnell und ohne große Unterbrechungen, so ist die Ausstellung ein Konglomerat aus wilden Farbflächen und Textfragmenten, das unmittelbar auf einen wirken möchte. Ein Grundverständnis für Geschichte und die damalige Subkultur des Hip Hop, sowie ein Bewusstsein für „Racial Inequality“ sind von Vorteil, um seine Arbeit vollumfänglich verstehen zu können. Nicht dass dies tatsächlich gelänge, denn sein Werk geht tief, hinterlässt einen inspiriert und gedankenschwer zugleich. Eine Erfahrung, die man nicht missen möchte.

Where? SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, Römerberg, 60311 Frankfurt

When? 16. Februar – 27. Mai 2018

Tickets: 12 €, 9 € ermäßigt; freier Eintritt für Kinder unter 8 Jahren

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