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Kaum ein Mann versteht, wie nervig Hormone sein können. Sie sehen darin eine monatliche Episode mit einer gehörigen Portion Drama, da wir Damen uns schlichtweg nicht „zusammenreißen“ können. Gut, nicht alle Männer sind genervt, doch nicht einer kann dieses Wechselbad der Gefühle nachvollziehen. Diesen tagelagen Ausflug in die Vorhölle des Frauseins, auf den ich liebend gerne verzichten würde, mache ich heute zum Thema.

Warum ich diesen Artikel jetzt tippe? Die Vermutung liegt nahe, dass ich von meinem eigenen Gemütszustand genervt vor dem Laptop sitze. Ja, so ist es tatsächlich. Ich bin eine der wenigen, die offen ihre Abneigung gegenüber den Tagen und den Tagen vor den Tagen zum Ausdruck bringt. Ganz ehrlich – ich bin vor meiner Periode eine andere. Mal davon abgesehen, dass mich Kopf- und Rückenschmerzen plagen, fühle ich mich wie in einem Hamsterrad der Gefühle. Ein emotionales Ausdauertraining, das gut zwei bis drei Tage dauert. Aus dem Gleichgewicht gebracht und hin und her gerissen zwischen Verlustangst, Heulkrämpfen, Liebesbedürftigkeit und Wut.

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PMS? Ein Meer aus Tränen

Nicht jede Frau ist mit PMS oder Übellaunigkeit während der Tage konfrontiert. Ich leider schon. Zwei wunderbare Beispiele mögen das verdeutlichen. Ich sehe einen alten Mann in einer Mülltonne verschwinden, weil er nach Pfandflaschen sucht. Altersarmut ist ein ernstes Thema. Als Reaktion geht sofort der Tränenkanal auf und ich muss mich in Selbstbeherrschung üben. Ich setze mich in mein Auto, um zu Ikea zu fahren. Auf der Fahrt bricht es dann los. Ich konnte kaum noch die Straße erkennen. Rückblickend einfach eine harte Nummer.

Das letzte Mal vor drei Wochen neben dem Schweiger im Bett und Mr. Grumpy verweigert mir aus Übellaunigkeit eine zärtliche Geste. Normalerweise würde ich entspannt reagieren. Wer nicht will, der hat schon. Dank meiner Hormone breche ich jedoch in Tränen aus und habe den Heulkrampf des Jahrhunderts. So richtig mit Schluchzen und annäherndem Verlust der Selbstkontrolle. Wir müssen erst gar nicht davon anfangen, wie das auf einen Kerl wirken muss. Warum heulen wir Frauen denn ständig? Als könnten wir es uns aussuchen? Witzbolde!

Kurz darauf steht Madame in Flammen

Während der Periode bin ich ein richtiger Hitzkopf, ein Kind des Zorns, der teilweise wahr gewordene Alptraum einer Xanthippe. Zum Glück dauert dieser Zustand meist nur den ersten Tag an. Trotzdem habe ich schon einiges an Schaden angerichtet, da ich mich genau zu dieser Zeit verbal regelmäßig im Ton vergreife. Alle drei Wochen derselbe Mist. Ich kann mich selbst schon gar nicht mehr ernst nehmen. Und wenn mir dann ein Kerl erzählt, ich würde meine Hormone vorschieben und mich nicht beherrschen wollen? Dann kann ich nur mit den Augen rollen und abschätzig reagieren. Ich versuche bereits, nicht komplett frei zu drehen. Würde ich jedem Impuls nachgehen, wäre der Umgang mit mir vermutlich nur schwer möglich.

Gleichzeitig beneide ich andere Frauen, die nicht so beeinträchtigt sind. Meine Schwester ist vollkommen frei von Gefühlsregungen dieser Art. Auch sonst kenne ich nur wenige Frauen, die so empfindlich reagieren. Und weil ich gerade in dieser Phase stecke, hoffe ich unter euch Gleichgesinnte zu finden. Sagt mir bitte, dass es manchen von euch ähnlich geht. The struggle is real!

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Diskussion

17 Kommentare zu “Beistand? PMS Is A B*tch”
  1. Tascha sagt:

    Hallo liebes , mein Gott – du sprichst mir aus der Seele und die Situationen kommen mir doch sehr bekannt vor. Mein liebster muss regelmäßig unter meinem gefuhlschaos leiden – ich kann mich so perfekt in Dinge reinsteigern , das man denken könnte mein Leben hänge davon ab . Danke für Deine offenen Worte !
    Liebste Grüße
    Tascha
    taschasdailyattitude.blogspot.de

  2. Daniela sagt:

    Liebe Mia,
    du bist damit absolut nicht allein. „PMS is a Bitch!“ – Dieser Satz kommt mir jeden Monat über die Lippen. Nicht nur Kopf- und Rückenschmerzen sondern auch Angstgefühle, Heulanfälle und eine unnötige Wut auf mich selber, sind meine ständigen Begleiter vor den Tagen. Von den Tagen will ich gar nicht erst anfangen. Ich sitze es meistens aus, schaue Dramen, rege mich über mich selber auf und stopfe mich mit Schokolade voll. *Augenrollen*

    Liebe Grüße
    Daniela

    • Mia Mia sagt:

      Liebe Daniela,

      diese Angstgefühle kenne ich so gut. Ich habe sonst wirklich Selbstbewusstsein wie ein Ochse, aber zu dieser Zeit ist jede Zurückweisung wie ein „du magst mich nicht meeeehr“. Nachts Geräusche an der Tür? Oh Gott, es könnte jemand einbrechen?! Sinnlos! -.-

      Danke für deinen aufbauenden Kommentar! <3
      Mia

  3. Ginni sagt:

    Seitdem ich die Pille vor nun einem Jahr abgesetzt habe, plage ich mich auch damit rum. Kannte ich damals nur aus Erzählungen, jetzt ist es für mich ebenfalls zur Realität geworden. Es geht mir blendend und vor meinen Tagen dann auf einmal der Einbruch: Selbstzweifel, Unzufriedenheit mit mir selbst und Zukunftsängste. Wer bin ich eigentlich? Was mache ich hier? Was soll nur aus mir werden? Warum ist die Welt so grausam? Wenn der rote Drache dann landet, ist alles auf einmal wieder vorbei und ich frage mich, wieso ich so seltsame Gedanken haben konnte. Während der Periode geht es mir psychisch dann wieder sehr gut, nur Bauchkrämpfe begleiten dann meinen Alltag.

    • Mia Mia sagt:

      Hallo Ginni,

      Einbruch trifft es wirklich gut. Emotional eine schöne Bauchlandung hinlegen und dann wieder aufstehen und weitermachen, als wäre nichts gewesen. Monat für Monat. Ein Traum. <3 Krämpfe habe ich nicht immer, da bin ich schon auch dankbar. Da gab es nach dem Absetzen der Pille ganz andere Zeiten. :)

      Liebe Grüße,
      Mia

  4. Marie sagt:

    Kenne ich sehr gut, du bist nicht allein. Ich heule vor den Tagen regelmäßig, bin total dünnhäutig, voller Zweifel, Wut und Ängste. Es ist grausig. Abhilfe kann ich mir nur durch die Vermeidung von Stress, Streit und schwierigen Situation schaffen. Am besten funktionieren in dieser Zeit happy movies wie Mamma Mia, kein Witz :P

    • Mia Mia sagt:

      Danke für den Tipp. Ich ziehe mich meist nicht zurück, sondern rufe 5 Leute pro Tag an, um mich abzulenken. Wenn ich deren Alltagskram höre, kann ich ein bisschen auf die Wutbremse treten. Was ich jedoch mache, ist mich berieseln lassen. Serien und Filme sind da natürlich perfekt. :D

      Liebst,
      Mia

  5. Interessanter und sehr ehrlicher Bericht! Ich bin zum Glück eine von denen, die mit PMS nichts am Hut hat, kenne es aber von Freundinnen, denen man einfach irgendwann anmerkt, dass die miese Laune eben PMS als Grund hat :-D

  6. Laura sagt:

    hahaha, du sprichst mir aus der Seele! Hormone sind kleine, fiese Arschlöcher.

    Ich brauche gar keinen Kalender, wenn es um meine Tage geht: Eine Woche vorher (+- 1,2 Tage, weil ist ohne Pille ja auch nicht regelmäßig, der Scheiß) geht’s los mit der ich-könnte-jetzt-alles-essen Nummer. Süß, salzig, egal, alles jetzt, sofort, durcheinander, dass mir hinterher schlecht ist, muss ich vermutlich nicht erwähnen? Ich versuche schon mich zusammenzureißen (was die Fresserei angeht), aber es ist sososo schwierig!

    Ist das überstanden, kann man bis 1-2 Tage vor der Periode warten, dann ist meine Wut bereit für ihren Auftritt. Das sind 48 Stunden, in denen mich ALLES aufregt und ALLES sauer macht. Meistens ziehe ich mich dann ein bisschen zurück, damit nicht alle um mich herum abkriegen, was Mutter Natur da verbockt.

    Sobald es dann losgeht, normalisiert sich alles weitgehend, dafür habe ich dann am ersten Tag Unterleibsschmerzen aus der Hölle (Mutter Natur ist offenbar richtig stinkig, weil es kein Baby gibt). Manchmal kommt noch richtig schön Migräne dazu, vielen Dank für nichts!

    Ich bin sehr froh, dass mein Freund ein generell entspannter Typ ist. Der kennt das und wenn ich die garstige Phase habe, lässt er mich einfach in Ruhe (auch das regt mich dann manchmal auf, haha), weil er weiß, dass es „gleich“ wieder okay ist. Oder aber er nennt mich „Zorngiggl“ :’D Bringt mich dann meistens wenigstens zum Gackern (wenn auch nur kurz, fünf Minuten später bin ich wieder sauer, haha, omg.).

    Geil. Liest sich astrein als wäre ich komplett gestört :D

    • Mia Mia sagt:

      Hey Laura,

      die Fressattacken kenne ich. Ich habe vor 2 Tagen Eiscreme, Schokolade und Käsespatzen innerhalb von 30 Minuten phasenweise gleichzeitig verschlungen. Danach bin ich selbstverständlich erst einmal ins Fresskoma gefallen. Meine Laune normalisiert sich so ab Tag 1 des Zyklus auch, was auch wirklich nötig ist. Diesen Monat versuche ich wirklich, mich zusammenzureissen. Ich habe gemerkt, dass Sport hilft und einfach sinnlos vorm Laptop versumpfen. Oder sich den Ärger via Beitrag von der Seele zu tippen. Hach, ich bin so froh dass es dir und anderen ähnlich geht. Ich zweifle teilweise wirklich am chemischen Gleichgewicht in meinem Gehirn…

      Greetz
      Mia

  7. AD sagt:

    Oh ja, *aufzeig*, hier sitzt noch eine, die die ganze Scheiße hasst wie Teufel.
    Ich setze noch einen drauf und muss leider berichten, dass ich mich dann auch Tage davor total krank fühle – also m Kopf eh schon :D aber ich denke oft, ich bekomme eine Erkältung, mein Immunsystem scheint total durchzuticken.
    Außerdem werde ich fies und garstig, erschrecke mich oft selbst über meine üblen Äußeren.
    Man man man…das braucht doch wahrlich kein Mensch.
    Achja – aktuell ist mir übrigens speiübel, weil ich ja mal wieder wahllos Weingummi (das mir nicht mal sonderlich schmeckte) in mich hineinstopfen musste und ich hasse mich dafür. Ich weiß aber jetzt schon, dass spätestens heut Abend der B&J Becher nach mir rufen wird. Alter. :D

    LG, AD <3

    • Mia Mia sagt:

      Ahhhh, ich kenne das. Ich hatte diesen Monat eine ewig andauernde PMS-Phase, weil der Zyklus dank Stress mal wieder zickte. Ein Alptraum. Heute habe ich z.B. den ganzen Tag vergessen zu essen. Alles easy. In London vor 2 Tagen jedoch, habe ich es richtig übel krachen lassen. Oh mein Gott. :D

  8. Sabina sagt:

    Ich habe ja vor 3 Jahren die Pille abgesetzt und nun bin ich zwar migränefrei, aber auch wieder völlig im Hormonchaos. Trotzdem bereue ich den Schritt nicht. Ich merke es als Erstes an meiner aufkommenden Aggressivität – mich kotzt dann so ziemlich alles an, was ich meiner Umwelt natürlich auch mitteile. Die zweite Phase ist dann Traurigkeit, ich fühle mich ungeliebt, hässlich und habe Nerven wie Zahnseide.
    ich kann dich also total verstehen!

    • Mia Mia sagt:

      Ich hasse dieses Hormonchaos ehrlich. Ich steuere gerade wieder darauf zu. Wenn der ES kommt, bin ich auch empfindlich und weinerlich. Frage mich manchmal, wann Frau eigentlich jemals normal ist. -.-‚

  9. Corinna sagt:

    Du bist nicht allein. Jeden Monat denke ich etwa eine Woche lang darüber nach, mich scheiden zu lassen. Oder auszuwandern. Oder mir Psychopharmaka verschreiben zu lassen. Ich bin dann nicht traurig, ich heule auch nicht schneller als sonst, ich bin total kotzig, unausstehlich und die Welt ist ein Stück dunkler. Wirklich so, als würde es nicht richtig hell.
    Ich weiß dann, woran es liegt – ändern kann ich es nicht.
    Furchtbar.

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