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Wenn der Start nicht gelingen will

Ankommen in einer neuen Stadt ist nicht immer einfach und manchmal habe ich das Gefühl, dass es mit zunehmenden Alter mit immer mehr Sorgen und Ängsten behaftet ist. Man muss für sich selbst einstehen, stark sein und ist auf sich alleine gestellt. Ganz ohne den Windschatten von Familie und Freunden, ohne helfende Arme, wenn man sie so dringend bräuchte. Mit 21 fühlte sich das alles irgendwie leichter an. Mittlerweile fühle ich mich eher gebremst und kann mich noch gar nicht recht freuen, neu anzufangen. Schließlich habe ich meine gesamte Familie hinter mir gelassen und die Reset-Taste gedrückt.

Mit 21 fühlte sich das alles irgendwie leichter an

Die letzten zwei Monate waren für mich dementsprechend eher rocky als schön. Dabei sollte ich eigentlich glücklich sein, schließlich habe ich direkt nach der Uni gleich meinen Traumjob erhalten und das auch noch in der Stadt, in die ich immer wollte: Berlin. Richtig fühlt es sich allerdings noch nicht an. Stattdessen fehlen mir meine Familie und meine Tiere, mein Fels in der Brandung in München und zeitgleich verabschiedet sich gerade meine Gesundheit rollend den Berg hinunter. Da schaffe ich es gerade noch so zu winken und ins Taschentuch zu blasen.

Wenn all der Spaß und das Abenteuer nichts wert scheint

Auch wenn ich mir Mühe gebe, vor allem fühle ich mich aktuell alleine und schutzlos. Irgendwie vermessen. Denn zurück nach Berlin zu ziehen, war lange mein Traum. Nur musste ich mir mittlerweile eingestehen, dass eine Stadt nur dann zur eigenen wird, wenn man sie selbst mit Leben füllt. Die Erkenntnis, dass es nicht die Stadt ist, die richtig oder falsch ist, hat einiges in mir ausgelöst. Denn wenn es das Umfeld ist, das einen Wohnort zur Heimat macht, reicht einfaches vor sich Dahinleben nicht aus. Man muss sein Leben selbst in die Hand nehmen und es lebenswert machen. Dinge erleben, Erinnerungen schaffen und mit Freunden lachen. Dazu gehört eben auch proaktiv aus Bekanntschaften Freunde machen, die sich hoffentlich irgendwann auch wie Familie anfühlen.

Ich kann euch gar nicht sagen, wie oft ich in den letzten Wochen abends in Prenzlauer Berg war, nur um nach der Arbeit noch Freunde zu treffen und gemeinsam zu essen, ins Kino gehen oder zu reden. Für ein Stück Familiengefühl. Sogar dann, wenn ich erst um 20 Uhr die Bürotür hinter mir verschlossen habe und all das eineinhalb Stunden mit den Öffentlichen für mich bedeutet. Denn wenn jetzt etwas nicht mehr gilt, dann Ausreden. Ob ich scheitere oder schaffe, mir in Berlin ein Leben aufzubauen, liegt nämlich dummerweise allein in meiner Hand. Ich entscheide über mein Glück. Sich das einzugestehen, sitzt erstmal und ist für einen Stubenhocker wie mich harter Tobak. Denn jetzt ist es nicht mehr der Zufall, der entscheidet oder das Vitamin B, das mir hilft. Ob ich in Berlin glücklich werde, liegt ganz bei mir.

Muss ich mir Berlin erst passend machen?

Letztlich ist die Frage doch die: Ist es vielleicht gar nicht so, dass Berlin nicht mehr zu mir passt, sondern manipulieren mich meine Ängste dahingehend, dass Aufgeben leichter als Kämpfen ist? Schließlich wäre zurück nach Hause zu ziehen die leichteste Option – sowohl finanziell als auch auf persönlicher Ebene. Ich müsste nicht in das Einrichten einer kompletten Wohnung investieren, hätte meine Familie und Tiere um mich herum und könnte einfach weitermachen wie bisher. Dumm nur, dass Aufgeben noch nie eine Option in meinem Leben war. Alles andere wäre auch schlicht mindless. Denn Berlin ist für mich gerade der Dreh- und Angelpunkt im Naturkosmetik-Bereich. Woanders zu wohnen, würde sowohl weniger Kontakte als auch weniger Erfolg bedeuten. Etwas, dass ich mir gerade überhaupt nicht leisten möchte.

Durchhalten und die Zähne zusammenbeißen wird dementsprechend mein Credo sein. Und ja, wahrscheinlich wird es anstrengend, bestimmt wird es kräftezehrend: aber am Ende ist es all das sicherlich auch wert. Ich gebe jedenfalls nicht auf, bevor ich mich nicht Zuhause fühle. Für mich und meine Zukunft.

Ging es euch auch so bei eurem Umzug? Lasst uns gerne eure Geschichte in den Kommentaren da.

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Diskussion

2 Kommentare zu “Bist du noch meine Stadt, Berlin?”
  1. Kommt mir sehr bekannt vor – auch wenn es für mich nur zeitlich begrenzt war. Vorm Abi habe ich noch geschrien: „raus aus der Kleinstadt. Studieren…am besten in Berlin!“ Berlin, 1,5 Std. entfernt, war immer meine Lieblingsstadt. Als das dann immer näher rückte, bin ich doch im eigenen Bundesland geblieben. Und war über die Entscheidung dann doch immer ganz froh. Ich nahm hin, dass ich wohl doch eher ein Kleinstadt-Kind und keine Großstadtpflanze bin. Im Master musste ich ein Praxissemester absolvieren; die Gelegenheit doch noch mal rauszukommen. Ich fand eine Stelle, die super klang, gut bezahlt wurde und zog nach FFM. Die anfängliche Euphorie wich schnell der Ernüchterung. Ich fühlte mich allein und vermisste meinen Freund, meine Freunde und Familie. Zum Glück gab in dem Jahr einen richtig schönen Spätherbst, ich verbrachte viel Zeit draußen, lernte die Stadt besser kennen. Stellte fest, dass meine frühere Brieffreundin nur unweit von mir lebte, wir trafen uns und ich fühlte mich weniger allein. Ich stelle fest, dass ich mich auch mit meinen Kollegen ganz wunderbar verstand und suchte mir Gleichgesinnte mit denen ich meine Freizeit verbrachte. Jetzt klingt das so easy, als introvertierter Mensch war es das anfangs so überhaupt nicht. Aber es wurde mit jedem Schritt besser und heute rangiert Berlin nur noch auf Platz 2 meiner deutschen Lieblingsstädte. ;) Es wird besser und wenn das Wetter auch endlich frühlingshaft bleibt, wird es noch viel leichter ;) Wie Du schreibst: es ist nicht unbedingt die Stadt, sondern das was man draus macht!

  2. Ich muss ehrlich sagen, ich kann mir nicht vorstellen weg von Familie und Freunden in eine fremde Stadt zu ziehen. Mir fällt sehr schwer, auf Leute zuzugehen und ich würde wahrscheinlich ewig niemanden kennen lernen. Außerdem hänge ich sehr an Hamburg.
    Ich drücke dir ganz dolle die Daumen, dass du dich bald pudelwohl fühlst.

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