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Am 1. Dezember gab es eine Premiere auf Netflix. Die deutsche Produktion Dark wurde beim Video-on-Demand-Giganten in über 190 Ländern ausgestrahlt. Ich habe gespannt auf den Start von Dark gewartet und Anfang der Woche alle zehn Folgen am Stück angesehen. Binge Watching Deluxe und das mit einer deutschen Serie? Auch für mich ein Novum. Dark ist eine Mystery-Serie, die vom Schweizer Regisseur Baran bo Odar und der deutschen Drehbuchautorin Jantje Friese stammt. Das Duo ist auch privat miteinander liiert, machten Netflix mit ihrem Kinofilm „Who am I – Kein System ist sicher“ auf sich aufmerksam. Aus dem wollte Netflix ursprünglich eine Serie machen, doch das kreative Duo hatte eine andere Idee. Entwicklung und Produktion von Dark wurden dann unbeeinflusst von Netflix umgesetzt, was als ungewöhnlich gilt.

Die Handlung von Dark

Dark spielt im Herbst 2019. In der fiktiven Kleinstadt Winden verschwindet erneut ein Kind. Der Ort als Handlungsspielraum ist von der Außenwelt abgetrennt. Dichte, unheimliche Wälder mit Höhlen, Hütten und alten Nazi-Bunkern bergen düstere Geheimnisse und umschließen Winden wie ein Würgegriff. Wer einmal in die Fänge der Kleinstadt gerät, kommt nicht mehr weg. Gutbürgerlichkeit im Schatten eines Atomkraftwerks, das wie ein Monument in die Wälder Windens gesetzt, den Menschen Arbeit und Sicherheit geben soll. Die scheinbar heile Welt bekommt schon nach wenigen Minuten Risse.

Die ansässigen Familien tragen sich seit Jahrzehnten mit Leid. Eifersucht, Betrug, Lügen bis hin zum Mord. Winden sei ein „Geschwür“ und alle dort wohnhaften Menschen ein Teil davon. Dark ist wie ein skurriler Alptraum, bedrückend, widersprüchlich und trotzdem ständig auf Sinnsuche. Der cinematographische Stil, die unglaublich gute Erzählweise und atmosphärische Musik befördern das Abtauchen ins Geschehen, triggern Spannung und Beklemmung.

Vergleiche mit Stranger Things

Die Serie wurde im Vorfeld immer wieder mit Stranger Things verglichen und als „german Stranger Things“ bezeichnet. Bis auf wenige filmische Elemente, haben beide Netflix-Produktionen jedoch nicht viel gemein. Ein wenig 80er und eine überwiegend düstere Mystery-Stimmung – viel mehr Schnittpunkte gibt es nicht. Hinzu kommt, dass das Drehbuch von Jantje Friese bereits fertig gestellt war, als Stranger Things erstmals ausgestrahlt wurde. Dark ist deutlich komplexer, besitzt mehr Abgründe und bewegt die Charaktere wie auf einem Spielbrett hin und her. Humor, Freundschaft und fröhliche Kinder? Fehlanzeige. Manchmal hat man Probleme, der Handlung von Dark zu folgen. Jeder Charakter ist gut erzählt und stellt einen wichtigen Link dar. Bereits von der ersten Minute an sollte man aufmerksam sein.

Vom Feeling her würde ich also eher Twin Peaks und Donnie Darko nennen, wenn schon Vergleiche gezogen werden müssen. Das Besondere an Dark ist, dass räumlich begrenzt erzählt wird und in diesem engen Handlungsspielraum eine Vielzahl von Ebenen aufgemacht werden, die wie ein eng gesponnenes Netz den Verstand des Zuschauers fordern. Das Ende hat mich etwas enttäuscht, ist aber logisch konsequent. Man hätte es wohl auch eleganter lösen können. Die Geschichte ist in sich geschlossen, eine zweite Staffel ist nicht geplant. Dafür sollen in Zukunft noch mehr deutsche Produktionen für Netflix entstehen.

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Fazit

Dark ist definitiv eine Serie für Erwachsene. Sie ist dramatisch, kommt ohne ein einziges humoristisches Element aus. Dark ist in jedem Fall sehenswert und kein Fast Food, das man sofort verdaut hat. Auch nach einigen Tagen kommen einem Fetzen der Handlung in den Sinn, die man nochmal überdenkt. Man kann Dark ohne Weiteres ein zweites Mal sehen, um die Kausalketten des Plots besser zu verstehen. In jedem Fall ist es keine Serie für Fans von platten Actionfilmen und Popcorn-Kino. Stattdessen ist Dark verworren, vielschichtig und gut erzählt, sowie ein optischer Augenschmaus für Horror- und Thrillerfans.

* Bildcredit: Netflix

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Diskussion

Ein Kommentar zu “Dark – lohnt sich die erste deutsche Netflix-Serie?”
  1. […] Gesehen: Ganz viel Netflix geschaut, leider zum Leidwesen meiner Schlafenszeit. Aber was soll ich sagen, wenn da auf einmal diese überaus spannende neue Serie auf Netflix auftaucht und du unbedingt wissen willst, wie es weiter geht, muss man manchmal Prioritäten setzen. Die Rede ist im übrigen von „Dark“. Eine wirklich tolle Rezension gibt es auf dem Alabaster Blogzine von Mia. […]

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