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Wer auf Instagram surft, hat sie schon einmal gesehen. Die perfekte Asana im perfekten Licht mit der perfekten Yogakleidung, die der Yogini auf den – ihr ahnt es – perfekten  Leib maßgeschneidert scheint. Oder auch: das rundeste Wheel ever. Die Tänzerpose, die ich schon so lange übe, in makelloser Perfektion mit komplett gestrecktem Bein. Der Gesichtsausdruck dabei? Entweder nicht zu sehen (Fokus auf den Körper) oder ein strahlendes Lächeln. Der Hintergrund? Mindestens Hawaii, manchmal Singapur, New York, Miami.

Yoga bietet so viel für schöne Fotografie und ich schaue mir sehr gerne kunstvoll fotografierte Asanas an. Himmel, ich habe ein komplettes Pinterest-Board voll damit! Aber darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass wir im Yoga nicht DER Pose hinterherjagen, ebenso wie es nicht DER Körper, DIE Abs oder DER Booty sind, warum man bei Yoga dran bleibt.

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„Yoga is not about getting a tight ass …it’s about getting your head out of it.”

Viele kommen über den Fitness-Aspekt zu Yoga und das ist ebenso legitim, wie jeder andere Grund. So manch einer probiert eine Stunde in seinem Fitness Studio nur aus, weil Kino McGregor einfach eine krasse Braut ist und man kaum glauben kann, wie lange diese Frau ihre Beine in die Luft halten kann. Ich kann zumindest nicht mehr zusammenzählen, wie viele Bilder und Videos ich angeschaut habe und dabei dachte, „das möchte ich auch können“. Warum sollte ich auch?

Was immer mich, euch oder jeden anderen motiviert, ist gut und legitim. Aber sich in etwas zu verrennen oder sich den Spaß nehmen zu lassen, weil man es auch nach vier, fünf oder sechs Monaten intensiven Übens nicht schafft, den Kopfstand zu halten, im Rad die Füße näher an die Hände zu bringen oder auch einfach nur mit seinen Fingern den Boden zu berühren, das ist nicht cool. Und das ist auch nicht Yoga.

„The hardest asana is letting go“

Sich mit sich selbst zu beschäftigen schließt andere manchmal aus. Und da wir andere in unserer aktuellen Zeit eher selten ausschließen, wie es mir scheint, ist jede Ausrede recht, um mal mit uns zu sein. Und da ist auch nichts peinlich oder nicht gut genug. Sind wir mit uns selbst, können wir stolz auf uns sein. Auf den Bruchteil einer Sekunde, den ich es geschafft habe beide Beine im L-Sitz anzuheben. Darauf, dass ich mit meinem Kopf nun fast meine Knie berühren kann, wenn ich mich vornüberbeuge. Und manchmal auf nur darauf, dass ich überhaupt auf der Matte bin. Yoga ist auch, den Fortschritt im Kleinen zu sehen, im Kleinsten. Vielleicht verändert sich der Körper noch nicht. Vielleicht auch nicht die Pose. Vielleicht sieht es von außen wirklich aus wie immer, wenn ihr den Kranich übt. Aber die Einstellung und die Gedanken ändern sich.

Weder kann ich leichtfüßig ins Rad wechseln, noch den Kranich so lange halten, wie ich es mir erhofft habe oder auch nur annähernd einen Kopfstand halten. Macht aber nichts, ich habe ja Zeit. Andere Yogis haben dafür auch Jahre gebraucht. Steht aber nicht unter jedem „perfekten Bild“ drunter. Stimmt aber.

“Feed your own ego I’m busy”

Auch wenn man ein selbstreflektierter, starker, selbstbewusster Mensch ist, können einen unterschwellig Informationen und Eindrücke beeinflussen. Aber wenn ich jetzt so durch meinen perfekten Feed voller Makellosigkeit scrolle sehe ich nur eins:

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Fun Fact: ich habe auf Bali selber mit sehr viel Spaß einige dieser „perfekten Fotos“ nachgestellt. Man darf halt nicht alles zu ernst nehmen!

Namasté und viel Freude an eurer Practice!

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