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Letztes Wochenende hinterließ eine Vielzahl von Eindrücken. Wie angekündigt habe ich zusammen mit zwei Bloggerinnen aus London die Designers‘ Open und verschiedene DO/Spots in der Stadt besucht. Es war spannend, turbulent und unterhaltsam. Etwas wehmütig verabschiedete ich am Sonntag Katy und Carole, mit denen ich drei wunderbare Tage verbracht habe.

Freitagmittag waren wir in der Presselounge der Leipziger Messe verabredet. Ich traf auf Katy vom Blog Apartment Apothecary und das Team von „So geht sächsisch“. Schon beim ersten Kennenlernen fielen mir der tolle Humor und die Herzlichkeit der Londonerin auf. Mit der ehemaligen Lehrerin und freiberuflichen Bloggerin erkundete ich kurze Zeit darauf die unterschiedlichen Stände der elften Designers‘ Open in der von herrlichem Tageslicht durchfluteten Glashalle der Leipziger Messe. Auf mehreren Ebenen verteilten sich zahlreiche Messestände der Designers‘ Open und präsentierten Kreatives aus den Bereichen Mode, Interieur, Grafik oder Produktdesign. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir ROXXLYN. Das Berliner Label bringt Handarbeit und technische Gadgets auf eine innovative Weise zusammen. Sie fertigen Cases für das iPhone oder Macbook aus Naturstein wie z.B. Marmor – große Liebe! Auch gefallen hat mir der Stand des polnischen Beleuchtungsherstellers KASPA. Betoniu, das MÅAT aus Leipzig und die Stadtelster haben ebenfalls mein Interesse geweckt. Bekanntes und Bewährtes aus Leipzig und Weimar, das meinen Geschmack trifft. Auch unser Guestblogger Oliver Schilf war mit seinem Label Fadenscheinig auf der Messe vertreten. Katy und ich verständigten uns an beinah jedem Stand über das Ausgestellte als „lovely“ und „nice“. Wer gerne shoppt, hat auf der DO zahlreiche Möglichkeiten, schöne Dinge mit nach Hause zu nehmen. Nachmittags erreichte auch Carole vom Blog Mademoiselle Poirot Leipzig. Die sympathische Bloggerin und Fotografin aus London und Katy kannten sich bereits. Ich war ziemlich verblüfft, als Carole – eine geborene Französin – von ihrer Jugend in Deutschland erzählte und plötzlich in ein akzentfreies Deutsch wechselte. Drei Sprachen fließend? Ich kenne jemanden, der das bereits als Superkraft bezeichnen würde.

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Auf der Messe hatte ich außerdem Gelegenheit, mit Schuppler-Schwarz ein Interview zu führen. Die beiden Designer betreiben seit drei Jahren ein Office im Leipziger Westen und arbeiten dort gemeinsam als Produktdesigner, haben den Fokus auch auf Film und Animation gesetzt. Auf der Designers‘ Open präsentierten sie ihre Firma und ihre Schwerpunkte in einem schwarzen Kubus. Man geht ins Dunkle, drückt einen Schalter und sieht das Portfolio der beiden eindrucksvoll auf dem dunklen Grund der Box visualisiert. Auffällig anders und beachtenswert.schuppler-schwarz-leipzig

Welches Konzept verbirgt sich hinter der Black Box für Schuppler-Schwarz?

Jonas Schwarz: Unser Anreiz für den Kubus war, einen neutralen Rohling zu schaffen, in welchem sich der Produktdesign-Prozess ganzheitlich darstellen lässt. Dazu zählt bei uns die Designberatung, Designentwicklung, Produktentwicklung, Formgestaltung, die technische Umsetzung und auch die Kommunikation. Wenn man Produkte zu entwickeln beginnt, hat man immer eine Art Black Box als Ausgangssituation. Also bestimmte Vorgaben oder Elemente, die beachtet oder berücksichtigt werden müssen. Aus dieser Black Box lassen sich dann ganz unterschiedliche Dinge erschaffen.Die aufwendige Animation eröffnet sich dem Besucher beim Blick nach unten. Welcher Gedanke steckt dahinter?

Ingo Schuppler: Wir sind es gewohnt, nach vorn zu sehen. Der Blick nach unten hingegen – ins Dunkle oder Ungewisse – fordert dazu auf, etwas anders und neu wahrzunehmen.An welchen Produkten arbeitet ihr zurzeit?

Ingo Schuppler: Da wir überwiegend mit Firmen zusammenarbeiten, unterliegt vieles leider der Geheimhaltung. Was wir beispielsweise in Hinblick auf eine nachhaltige Produktentwicklung designt haben, ist unser PerpetuuMobile. Dabei handelt es sich um ein Kindermöbel aus Holz, das mitwächst. Zu Beginn hat man eine Wiege fürs Kind, kann sie jedoch auch als Mobile nutzen. Kauft man ein weiteres Stück dazu, wird daraus ein Schaukelpferd oder ein Schaukelstuhl.Jonas Schwarz: Der Gedanke dahinter war, das ein Kindermöbel und Kinderspielzeug meist nur wenige Monate genutzt wird. Das Kind wächst heraus oder verliert das Interesse daran. Es gibt daher nur wenige Produkte, die tatsächlich hochwertig sind und einen Designanspruch besitzen. Unser Produkt ist natürlich, kann leicht ergänzt und umgewandelt werden und bietet damit langfristig einen Mehrwert.

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Am Abend besuchte ich mit Katy und Carole die Vernissage der Designers‘ Open. Da uns jedoch bald der Sinn nach einem guten Abendessen stand, ging es für uns zurück in die Leipziger Innenstadt. Anja von Schönes + Leben hatte uns eine Fahrt direkt an die Bachkirche spendiert. Dort trafen wir uns dann mit Alex (my Snapchat People know!) und Katys Verlobtem Jules. Wir spazierten durch die Gassen und Passagen Leipzigs und der Charme der Stadt bei Nacht blieb dem Besuch aus London nicht verborgen. Sie bewunderten die Gründerzeitarchitektur, den Marktplatz, die Mädler-Passage samt Auerbachs Keller und das Kaffeehaus Riquet. Im Cafe Madrid bestellten wir anschließend zahlreiche Tapas, spanischen Käse und Wein. Carole – eine Genießerin mit einer Schwäche für Rotwein – war überrascht, in Leipzig einen so guten Spanier vorzufinden. In London sei man nämlich verwöhnt, was ausgezeichnete Restaurants angeht. Wir saßen, quatschten, aßen und verabschiedeten uns kurz nach Mitternacht. Bereits am nächsten Vormittag waren wir an der Baumwollspinnerei verabredet.

Bei der Baumwollspinnerei handelt es sich um ein etwa zehn Hektar großes Werksgelände in Lindenau, das Künstlern und Kreativen ausgiebig Raum zum Arbeiten und Leben bietet. Liest man von Leipzig als gehypter Stadt im Guardian oder der New York Times, taucht mit Sicherheit auch der Begriff Baumwollspinnerei auf. Was hat es damit auf sich? Die Zeit hat vor einigen Jahren den Ausdruck „Ghetto der Kunst“ geprägt, denn die Baumwollspinnerei ist das Zuhause der „Neuen Leipziger Schule“. Künstler wie Neo Rauch, Tilo Baumgärtel, David Schnell und Matthias Weischer haben dort ihr Atelier. Auch Christoph Ruckhäberle, der vielen durch eine Limonade bekannt sein dürfte, arbeitet auf dem Spinnereigelände. Nicht nur als Künstler, sondern zusammen mit Michael Ludwig auch als Kinobetreiber des LURU. Wir hatten das Glück, von einer sehr freundlichen und gut informierten Mitarbeiterin über das Gelände geführt zu werden. Sie berichtete in gutem Englisch von der Geschichte des Geländes, der Mischung aus Gewerbe, Ateliers und Galerien und den langen Wartelisten die Räumlichkeiten in der Spinnerei betreffend. Beim Rundgang schauten wir in der Galerie Dukan vorbei, die bereits verkaufte Werke des Pariser Künstlers Romain Bernini ausstellte. Auch die Arbeiten von Claudia Biehne haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Porzellan so fragil und zum Teil organisch geformt, dass man unbedingt das Geheimnis ihrer besonderen Technik erfahren möchte.

Nach unserem Rundgang haben wir einen Zwischenstopp im Zeughaus eingelegt. Auf mehreren Etagen sammelt sich dort Antikes, zum Teil auch Skurriles. Ich habe dort eine Lithografie für 25 Euro inklusive Rahmen erstanden, die Anfang der 80er für fast 1000 Euro verkauft wurde. Ein unerwartetes Schnäppchen. Über die Künstlerin weiß ich noch nichts, doch sobald ich mehr Zeit habe, wird recherchiert. Anschließend zog es uns weiter auf die Karl-Heine-Straße und zum Kartoffelfräulein. Für die Mädels aus London ging es am Nachmittag zum DO/Spot der Handwerkskammer zu Leipzig. Später trafen wir uns am Grassimuseum wieder, um die dortige Grassimesse zu besuchen. Ziemlich müde und geschafft saßen wir am späten Nachmittag draußen auf den Stufen vor dem Grassimuseum und genossen die warme Sonne. Abendessen und dann DO/Night – Müdigkeit vorschützen war keine Option. Im B10, einem meiner liebsten Restaurants in Leipzig, hatten wir einen schönen Abend. Anschließend wollte Jules ein gutes Bier, weshalb ich die Meute ins Horns Erben geschleppt habe. Jules schmiss eine Runde, wir entspannten auf dem gemütlichen Ledersofa und sprachen über Leipzig, wie die Stadt wahrgenommen wird und wie schnell sie sich derzeit verändert. Danach überredete ich die Crew zu einem Abstecher ins Westwerk. Sie sollten die anderen Blogger und Jess kennenlernen, die bereits auf der DO/Night feierten.

Samstagnacht endete für einige früher, für manche später. Wir trafen uns am nächsten Morgen zum Frühstück im Grundmann (es gibt kein besseres Frühstück in Leipzig!) und machten in einer großen Gruppe eine Tour durch Leipzig. Innenstadt, Cospudener See, Völkerschlachtdenkmal, Hauptbahnhof und verschiedene Viertel nebst dem Clara-Zetkin-Park. Dinge, die man gesehen haben muss und die ganz klassisch für Leipzig und sein Stadtbild sind. Zusammen mit den Insights der letzten zwei Tage, den vielen Gesprächen und den Eindrücken der Designers‘ Open, ein gelungenes Wochenende! Mehr dazu könnt ihr natürlich auch bei Katy und Carole nachlesen. Ich glaube, sie hatten eine tolle Zeit in Leipzig. Beim Abschied hat mich Katy zu sich nach London eingeladen, was mich irrsinnig gefreut. Ich hoffe, wir können unseren Austausch bald fortsetzen. Thanks for the great weekend, Katy and Carole. I hope you enjoyed it! I can’t wait to see you again!


*Dieser Beitrag wird von „So geht sächsisch“ / Simply Saxony unterstützt.

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