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Meine Kolumnen zur Kampagne „Nur wenn ich es will“ bereichern seit letztem Jahr das Blogzine. Ich bin Teil der Kampagne zur „Pille danach“, da mir an der sexuellen Selbstbestimmtheit der Frau viel liegt und das was die Kampagne bewirken will, für mich Ausdruck eines modernen Feminismus ist. In meinen Kolumnen und auch durch andere Influencer, wird das Thema von verschiedenen Seiten beleuchtet. In diesem Jahr möchte ich thematisch einen neuen Schwerpunkt schaffen und der Tabuisierung der „Pille danach“ mit einem persönlichen und offenen Blickwinkel begegnen.

Im Austausch mit Madlén Bohéme und anderen Frauen in den weiteren Beiträgen wird genau das angesprochen, was man sonst oft nur hinter vorgehaltener Hand mit der besten Freundin beredet. Viele von uns waren bereits in der Situation, die „Pille danach“ zu nehmen und dennoch haftet dem Ganzen noch immer ein Stigma an. Verantwortungslosigkeit, eine nachlässige Verhütungsmoral und der noch immer existierende Irrglaube, dass die „Pille danach“ zu einem Schwangerschaftsabbruch führt. Um diesem Image entgegenzuwirken, lasse ich Frauen zu Wort kommen, die die „Pille danach“ in der Vergangenheit genommen haben. Neben ihrer Sichtweise auf die Kampagne und die „Pille danach“, geht es um die Erfahrungen, die sie gemacht haben.

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Die Reihe beginnt mit Madlén, einer Fashion- und Travelbloggerin aus Leipzig. Neben all den schönen Dingen und ihrer Liebe für Osteuropa, befasst sie sich auf ihrem Blog auch mit mentaler Gesundheit. Wir haben uns gemütlich in einem Café in Leipzig getroffen und sind – zwei Tratschtanten auf einem Haufen – easy ins Gespräch gekommen.

Madlén, welche Gedanken schießen dir zuerst durch den Kopf, wenn du an eine Kampagne zum Thema „Pille danach“ denkst?

Ehrlich gesagt ein wenig Scham, weil das Thema noch immer stark tabuisiert ist und immer wieder in einen falschen Kontext gebracht wird. Das finde ich traurig. Es ist, wie es ist. (Ironisch) Du als Frau hast einen Fehler begangen, weil du, die du ja schwanger werden kannst, für die Verhütung verantwortlich bist. Jetzt ging etwas schief und nun musst du dich mit dem Gedanken befassen, wie du deinen vermeintlichen Fehler wieder geradebiegen kannst. – Da kommt ein Schamgefühl bei mir auf, obwohl das ja eigentlich völliger Quatsch ist. Du fängst an zu rechnen, hattest du jetzt deinen Eisprung oder nicht? Wenn dir das Risiko dann zu hoch ist, musst du dich in meinen Augen ein Stück weit offenbaren, wenn du in der Apotheke nach der „Pille danach“ fragst. Darüber hinaus wirst du mit verschiedensten Emotionen aus deinem Umfeld konfrontiert. Dein Freund, Sexpartner, der vermeintliche One-Night-Stand? Das ist für viele Frauen nicht ganz einfach. Zu diesem Thema aufzuklären, halte ich daher für wichtig.

Wie war das damals bei dir, als du die „Pille danach“ genommen hast?

Ich war 19 Jahre alt und in einer Beziehung. Ich nahm die Pille, hatte jedoch aufgrund von Krankheit Antibiotika verschrieben bekommen. Wie jeder weiß, kann es dadurch zu einem nachlassenden Schutz kommen. Wir haben also zusätzlich verhütet, doch das Kondom ist – ganz klassisch – leider geplatzt. Nach meiner eigenen Berechnung dachte ich damals, dass ich vielleicht meinen Eisprung haben könnte und war total panisch. Ich meine, ich war 19 und wollte in keinem Fall ein Kind. Also bin ich zu meiner Frauenärztin, die mich zuerst beruhigen wollte. Ich sei salopp gesagt, zu „hormongeschwängert“, als das etwas passieren könnte. Ich ließ mich davon jedoch nicht überzeugen und sie meinte dann, wenn du auf Nummer sicher gehen willst, musst du vorbeikommen und ich verschreibe dir die „Pille danach“. Damals wirkte die Pille nur 72 Stunden bis nach dem Geschlechtsverkehr, also bin ich am selben Tag hin. In der Apotheke wurde ich dann darüber informiert, dass ich mit Übelkeit und Bauchschmerzen rechnen könne. Rückblickend wurde ich in meinen Augen jedoch kaum über Wirkung und Nebenwirkungen aufgeklärt. Ich habe viele Jahre geglaubt, dass die „Pille danach“ eine Schwangerschaft garantiert verhindert.

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Welche Nebenwirkungen hattest du nach der Einnahme?

Ich hatte Unterleibskrämpfe, so als würde man seine Tage bekommen und ansonsten tatsächlich keinerlei Nebenwirkungen. Damit war die Sache für mich auch erledigt.

Du hast für dich damals also das Beste aus der Situation gemacht?

Ich finde es wichtig, als Frau Selbstbestimmtheit in Bezug auf die eigene Sexualität zu leben und Kontrolle über meinen Körper zu haben. Es ist meine Entscheidung, wann und ob ich schwanger werden möchte. Lustige Bemerkung am Rande – ich habe meiner Mutter erst vor kurzem erzählt, dass ich die „Pille danach“ genommen habe. Ganze 10 Jahre später.

Mir wundert immer wieder, wie viele Frauen selbstverständlich mit der Pille verhüten, beim Thema „Pille danach“ jedoch Berührungsängste haben. Das von dir angesprochene Unbehagen können sicher viele Frauen nachvollziehen, obwohl es überhaupt keinen Grund dafür gibt.

Ja, da ist viel Wahres dran und ich ärgere mich darüber. Ich habe mich im Vorfeld mit Freunden und meinem Bekanntenkreis über das Thema unterhalten. Wenn eine Freundin beispielsweise erzählte, dass sie „Pille danach“ bereits sechsmal genommen hat, ertappte ich mich dabei, das Ganze erst einmal zu werten. Im ersten Moment verurteilte ich sie gedanklich. Wie verantwortungslos man doch ist, wenn man so häufig nachverhüten muss. Ich musste mir an den Kopf fassen. Ich habe Sex seit ich 15 Jahre alt bin. Ich hatte häufig längere Beziehung, dementsprechend regelmäßig Sex. Wenn man ein aktives Sexleben hat, ist es doch nur normal, dass auch etwas schief gehen kann. Trotzdem sollte jedem klar sein, dass es sich um ein Nachverhütungsmittel handelt, mit dem man verantwortungsvoll umgehen sollte. Die Chance, meinen Eisprung verschieben zu können, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern, würde ich jedoch nicht missen wollen. […]

Madlén und ich sitzen noch eine Weile im Café und quatschen über das Absetzen der Antibabypille, Feminismus und Podcasts. Dann verabschiedet sie sich, da ihr Arbeitstag beginnt. Was ich an Madlén schätze, ist ihre Echtheit. Im Gespräch mit ihr beeindruckt mich ihre Ehrlichkeit, vor allem sich selbst gegenüber. Mich freut, dass sie in Zukunft mehr zu Sex und Verhütung bloggen möchte. Vielleicht kommen wir bald erneut zusammen. Ich danke ihr in jedem Fall für das tolle Gespräch

* Dieser Beitrag wird von Cohn & Wolfe im Rahmen der Kampagne „Nur wenn ich es will“ unterstützt.

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Diskussion

4 Kommentare zu “Erfahrungsbericht zur „Pille Danach“ mit Madlén Bohéme”
  1. Julia sagt:

    Toller Beitrag!
    Ich finde diese Tabuisierung auch furchtbar. Als ich damals auf Nummer Sicher gehen wollte, musste ich noch zum Frauenarzt für ein Rezept. Da ich auch schon gerade mal da war, hab ich dazu noch das Rezept für die normale Pille abgeholt. Als ich dann in der Apotheke dran war – und der Laden war voll – meinte die Apothekerin mir einerseits laut und andererseits auch irgendwie abschätzig mir erklären zu müssen, dass die Pille danach kein Verhütungsmittel ist und ich die richtige Pille jeden Tag einnehmen muss. Ich kam mir einfach dumm vor und es war mir mit 17 auch zutiefst unangenehm, zumal ich merkte, wie die andere Kundschaft in der Apotheke mich einfach anstarrte. Heute wäre mir das nicht mehr so unangenehm, aber das Thema braucht nach wie vor Feingefühl. Daher finde ich es toll, wie ihr an das Thema hier auf dem Blog rangeht. :)

    • Mia Mia sagt:

      Word! Oh man, deine Geschichte…da stellen sich bei mir ja schon ein bisschen die Nackenhaare auf. So wenig Einfühlungsvermögen ist wirklich ungewöhnlich. Dieses Verhalten sorgt im schlimmsten Fall dafür, dass es dir so unangenehm ist, dass du beim nächsten Mal lieber drauf verzichtest? Zumindest kann ich mir das vorstellen, gerade wenn man erst 16 oder 17 Jahre alt ist. Autsch!

      Vielen Dank nochmal für dein tolles Kompliment! Ich freue mich über so ein Feedback und wette, Madlén ebenso!

      Greetz!
      Mia

  2. Julia sagt:

    Tolles Thema und wahre Worte!
    Es ist doch leider so, es hängt oft an Frauen. Wer hat schon mal einen Mann gefragt, wie oft er kurz davor war, Vater zu werden weil bei der Verhütung etwas nicht geklappt hat. Die Verantwortung und damit auch die „Schuld“ wird schon immer bei den Frauen gesehen. Das ist einfach so ein abstrus falsches Bild und zieht sich doch durch alle Lebenslagen, von der Kindererziehung bis zur Berufswahl.
    Ich bin so froh, dass mittlerweile kein Rezept mehr für die Pille danach benötigt wird. Was war das für ein Akt als mir mit 19 in einer fremden Stadt am Wochenende das Kondom gerissen ist. Und auch ich wurde nicht aufgeklärt, nur kurz (und etwas unfreundlich) abgefertigt.
    Ich kann mir vorstellen, dass dies bei der Aufklärung in der Apotheke nun etwas anders abläuft, zumindest hoffe ich das :)

    • Mia Mia sagt:

      Liebe Julia,

      vielen Dank für deine offenen Worte. Ich stimme dir zu, dass das Thema häufig im alleinigen Verantwortungsbereich von uns Frauen gesehen wird. Dass sie rezeptfrei ist, finde ich auch gut und wichtig. Allerdings weiß ich nicht, wie sehr sich die Aufklärung in den Apotheken unterscheidet. Bei mir war es ganz ok, ich war jedoch ausreichend aufgeklärt.

      Liebst,
      Mia

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