Instagram erfolgreich
Bild: Siana

Sich seine Follower auf Instagram ehrlich zu erarbeiten, wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Denn gegen die Großen anzukommen ist nahezu unmöglich geworden. Da braucht es schon eine gehörige Portion Glück und vielleicht auch ein wenig gutes Aussehen.

Kein Wunder also, dass der Kauf von Followern floriert und der Traum von 100k für kleines Geld lukrativ erscheint. Denn bleiben die Follower aus, bleiben es letztlich auch die großen Kooperationen. Ein Alptraum für alle, die beruflich und vor allem aufrichtig bloggen möchten.

Wer mithalten will, muss alles geben, alles zeigen und immer online sein.

Tatsächlich erfordert es mittlerweile vor allem einen langen Atem und Kontinuität, um eine beachtliche Followerschaft aufzubauen. Man muss dauerhaft online sein, spannende Erlebnisse teilen und am besten gleich morgens eine Story veröffentlichen. Doch was tun, wenn die Zahl im Profil dennoch nicht steigen will? Wir haben Siana von @kissmeb4flight gefragt, wie man seinen Instagram-Account am effizientesten aufbauen kann. Was funktioniert und was nicht? Welche Tipps sind eher Humbug, als dass sie wirklich etwas bringen?


Insider-Interview mit Siana von @kissmeb4flight

❤️❤️❤️ #spelldesigns #fashion #sunset

Ein von ©kissmeb4flight (@kissmeb4flight) gepostetes Foto am

Liebe Siana, als eine deiner engsten Freundinnen weiß ich bestens, wie viel Zeit du anfangs in den Aufbau deines Instagram-Accounts gesteckt hast. Aber wie schwer war es tatsächlich, deine über 30.000 Follower aufzubauen? Gab es irgendwann eine Schwelle, an der alles zum Selbstläufer wurde?

Ab einer gewissen Followeranzahl kamen zwar leichter Follower dazu, denn scheinbar denken viele „20.000 Leute werden sich schon nicht irren“. Dennoch merkt man, wenn man 1-2 Tage weniger aktiv ist, schon recht deutlich.

Im Internet kursieren immer wieder Tipps, wie man am besten neue Follower gewinnen kann. Es geht um Kontinuität und originellen Content. Ist da überhaupt etwas Wahres dran?

Anfänglich habe ich mir diese Tipps auch wirklich sehr zu Herzen genommen. Häufig liest man ja in Foren, dass alle erfolgreichen Accounts sich ähneln, langweilig seien oder nicht mit unfassbarer Kreativität glänzen. Aber ehrlich? Gerade die, die am meisten lamentieren, folgen einem dann doch nicht. Klar mag es helfen, qualitativ hochwertige Bilder zu posten. Kommentieren und Liken bei anderen führt aber nur bedingt und mäßig zu Erfolg. Ob ein Bild von dem User selbst stammt oder nicht, spielt für viele einfach keine großartige Rolle. Weheartit-Inspo-Copy-Seiten schießen durch die Decke. Vielen ist einfach nur wichtig, dass jemand teilt, was sie schön finden oder etwas sehen, was sie gerne hätten und möglichst komprimiert „inspiriert“ werden – zu was auch immer. Meist wissen sie das ja selbst nicht.

Inwieweit spielt dann origineller Content überhaupt noch eine Rolle?

Originalität im Sinne von „selbst geschossen“ sehr wenig, wenn man schnell groß werden will. Natürlich gibt es auch wirklich erfolgreiche Fotografen- oder Reiseseiten. Da sprechen wir dann aber meist nicht von 450.000 Followern, sondern eher von 50-150.000. Aber auch bei den reinen Reiseseiten merkt man schnell, dass es den Followern meist nicht darum geht, wer das Bild geschossen hat. Sie wollen möglichst geballt Orte sehen. In den Kommentaren wird schnell klar, dass gar nicht gelesen wurde, wer das Bild nun wirklich gemacht hat. Sonderlich originell muss man meist auch nicht sein.

Du sagt also, dass Originalität und eigene Bilder allein nur selten zu einem rasanten Anstieg von Followern führen? Das muss ich erst einmal verdauen. Gibt es denn bestimmte Bilder, die am besten ankommen?

Geld regiert die Welt und auch Instagram. Je mehr Luxus gezeigt wird, desto besser. Traurig aber wahr. Dazu kommen natürlich viele, viele Girly-Bilder und Obst. Viel Obst, Donuts und Macarons. Wer liebt die häufig geschmacklosen Kalorienbomben auch nicht? Selbstverständlich sollte man dann die Sportbilder mit 1a sauberen Laufschuhen, direkt aus dem Karton, in den sie danach auch wieder verschwinden, bloß nicht vergessen.

Today’s breaky ❤️ #chia #chiapudding #açai #fruit #cleaneating #clean

Ein von ©kissmeb4flight (@kissmeb4flight) gepostetes Foto am

Geht dabei nicht auch ein Stück Authentizität verloren?

Nun, man sollte sich vorher gut überlegen, was man eigentlich möchte. Schnell eine hohe Followerzahl aufbauen oder authentisch bleiben. Beides gleichzeitig gelingt meist nur, wenn man wirklich viel Geld hat oder in einem Fitnessstudio wohnt. Auch sollte man sich überlegen, ob man nur einen gewissen Bereich auf seinem Account zeigen will oder nicht. Tut man das nicht, ist das Profil für viele meist zu vielfältig und nicht einheitlich genug. Lässt man es, ist man zu oberflächlich. Die einen Bereiche „gehen“ natürlich besser als andere. Man muss sich nur auch darüber klar werden, welche Art von Follower man gerne hätte.

Welche Tipps & Tricks helfen deiner Meinung wirklich schnell und effizient?

Qualität

Natürlich hilft es auf die Qualität der geposteten Bilder zu achten. Dabei sollte man aber nicht zu hohe Maßstäbe anlegen. Als Fotografin wundere ich mich manchmal über unfassbar grauenhaft bearbeitete Bilder, die in den Augen schmerzen. Darunter steht dann „Du machst immer soooooo schöne Fotos!“. So große Brötchen muss man also gar nicht backen. DSLRs braucht man dafür auf keinen Fall. Zudem sollte das Profil einheitlich wirken. Selbst, wenn viele behaupten, dass sie durchgeplante Profile nicht mögen, folgen die meisten, wenn alles stimmig wirkt. Irgendwie auch logisch, da die meisten gerne harmonische Dinge mögen. Dazu gehört dann aber auch, dass man das ein oder andere Foto nicht posten kann, weil es nicht zum Gesamtbild passt. Man sollte sich allgemein auf 1-2 bestimmte Filter beschränken, wenn man sein Profil einheitlich gestalten möchte.

Wenigen Accounts folgen

Wie oben angerissen, behaupten viele, dass es wahnsinnig viel bringt, aktiv zu sein, viel zu Liken und zu Kommentieren. Meine Erfahrung hierzu ist, dass gerade deutsche Insta-Blogger nicht dazu neigen, die anderen Seiten zu besuchen. Likes werden auf die Goldwaage gelegt. Kommentare werden allerhöchstens im eigenen Feed beantwortet, steigert schließlich die Kommentaranzahl und den eigenen „Wert“. Vielen zu Folgen ist schlecht, da dann das Follower/Follow Verhältnis nicht stimmt. So deren Logik. Je weniger man selbst folgt und je mehr Follower man hat umso besser.

Häufig bekommt man aber auch Kommentare wie: „Oh, was für eine wundervolle Seite! Ich liiieeeeebe deine Bilder!“ und fragt sich dann „warum folgst Du mir dann nicht, wenn Dir meine Seite doch so gut gefällt?“. Tja, da will wohl jemand, dass man die Seite anklickt. Nicht mehr und nicht weniger. Mich erinnert das Gebaren deutscher Blogger häufig an mein Jura Studium. Da wurde auch selten geteilt. Ausländische Blogger sind hier etwas anders.

Wiederholtes Folgen

Viele Blogger beschweren sich, dass ihnen Follower wieder und wieder folgen. Fakt ist: das ist wirklich eine der wenigen Möglichkeiten, Follower kontinuierlich aufzubauen. Viele schauen auf Seiten, die ihnen gefallen in die „Follow Liste“ und sehen sich in etwa die ersten 100 Follower an. Da man meist Seiten folgt, die ähnliche Bilder haben, findet man so häufig Profile, die in dieses Schema passen. Ich folge meist großen (+5mio) thematisch ähnlichen Seiten. Natürlich sind dann auch viele F4F-User dabei, allerdings auch sehr viele aktive, die so auf mein Account aufmerksam werden. Kann man mögen, kann man doof finden, doch es funktioniert.

Die richtige Zeit

Wichtig ist definitiv auch die Uhrzeit. Je nachdem, von wo die meisten Follower kommen, merkt man recht schnell, wann man viele Likes bekommt und auf welche Art von Bildern. Das muss man dann allerdings selbst für sich herausfinden. Bei mir funktioniert 8 Uhr, 17 Uhr und 23 Uhr meist recht gut.

Shoutouts

Shoutouts sind bei vielen verpönt, aber eine gute Möglichkeit, anfänglich Menschen auf sich aufmerksam zu machen. Bringt natürlich auch nur etwas, wenn sich die teilnehmenden Profile ähneln.

Weniger genutzte Hashtags

Bei der Verwendung von Hashtags, sollte man nicht immer nur bekannte #’s nehmen. Meist gehen diese recht schnell unter, wohingegen weniger genutzte auch später noch zu Likes führen.

Das klingt nach einer Menge Arbeit und Kalkül. Kein Wunder, dass vielen der Atem zum Aufbauen ihrer Profile fehlt. Vergeht einem da nicht irgendwann die Lust an Instagram?

Mir persönlich ist das Follower-Catching auch zu anstrengend geworden. Früher hatte ich häufig meinen Content an der Likezahl orientiert. Allerdings bin ich ein Mensch, der lieber reist und Wissen teilt, als permanent pinke Schleifchen-Bilder zu schießen. Ich werde auch nie verstehen, wie ein iPhone mit Schleife mehr Likes erhalten kann, als ein Flugzeug/schönes Landschaftsbild oder wieso eine Obstschale direkt von etlichen Seiten geteilt wird und man Fragen zum „Rezept“ erhält. Obst kaufen, schneiden und in eine Schüssel werfen. Sollte doch jeder hinbekommen.

Was würdest du dir für die Zukunft wünschen?

Dass manche einfach öfter mal ihr Hirn einschalten und meine Follower bleiben wie sie sind.


Vielen Dank für deine ehrlichen Antworten, liebe Siana!

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Diskussion

9 Kommentare zu “Insider-Interview: Wie man auf Instagram tatsächlich erfolgreich wird”
  1. Andrea sagt:

    Ich bin immer wieder froh, dass ich bei Instagram nur aus Spaß an der Freude ab und zu mal ein Bild poste… Mir macht aber, ehrlich gesagt, auch das Schauen nicht so viel Spaß. Da ist mir das Lesen von Berichten erheblich lieber. Auf Kooperationen lege ich wenig bis gar keinen Wert, insofern kann ich mir das glücklicherweise leisten! Wenn ich auf einen richtig guten Account stoße, der sich angenehm von der Masse abhebt, kann ich aber durchaus auch mal richtig versumpfen. :)

    • Sarina Sarina sagt:

      Ich lese auch lieber Blogs als auf Instagram zu surfen <3. Dafür kriegt mich aber auch aktuell Youtube mehr, meine Präferenzen haben sich etwas verschoben. Meinen Konsum an Youtube-Videos sollte ich aber mal wieder zurückfahren XD.

  2. Sooyoona sagt:

    Wow ein spannendes und ernüchterndes Interview. Man muss sich wohl wirklich einiges überlegen und sich anstrengen um eine hohe Followerzahl zu bekommen. Eigentlich ist es doch aber auch schade, dass gerade Bilder mit viel Luxus, Sport und Food so gut ankommen. Es gibt doch noch viel mehr schöne Dinge im Leben, als nur diese drei erwähnten. Wenn ich das so lese, bin ich immer froh über meine Follower, es sind zwar niemals so viele, aber dafür scheinen sie meinen Account so zu mögen, wie er ist, egal wann und wie viel ich poste :)

    • Sarina Sarina sagt:

      Ich war auch überrascht, auch wenn ich natürlich schon grob von Siana wusste, wie es wirklich zugeht. Erschreckend, oder? Zu sowas bin ich auch gar nicht bereit und wachse lieber organisch durch Hashtags. Wobei man sich das bestimmt schnell anders überlegt, wenn man vom Bloggen und seinen Followern alleine lebt.

  3. Andrea sagt:

    Posts zu diesem Thema findet man derzeit in der Bloggerwelt ja häufiger. Ich habe das Interview mit Interesse gelesen, sage aber ehrlich, dass ich persönlich nichts, wirklich rein gar nichts damit anfangen kann. Mir reicht mein kleiner Blog und Erfolg auf Instagram zu haben, halte ich für alles andere als erstrebenswert. Wenn jemand diese Plattform beruflich nutzt, ist es verständlich, da es zum Job gehört, dass man einen gewissen Ehrgeiz und Energie reinsteckt, aber ansonsten finde ich es erheblich sinnvoller und mit Sicherheit auch stressfreier, wenn man da einfach sein Ding macht. Fotos hochladen, eine kleine, aber nette Community pflegen und mein Ziel wäre erreicht. Für meinen Beautyblog habe ich meinen Instagram-Account im letzten Jahr stillgelegt und mittlerweile gelöscht und bin dort nur noch passiv rein zur Information online. Aber, ich habe noch einen Handarbeits-Account mit knapp 200 Followern, der seit 4-5 Monaten aktiviert ist. Ich mache da gar nichts, bis auf ein paar Hashtags, ohne Ehrgeiz, lade Fotos unregelmäßig hoch und natürlich hat man dann keinen „Erfolg“. Ich finde es viel schöner, wenn man einen kleineren Kreis an Followern hat, mit denen man sich auch mal austauscht und es nicht gar so oberflächlich zugeht. Liebe Grüße

    • Sarina Sarina sagt:

      Absolut! Manchen bleibt aber leider nichts anderes übrig als sich nach oben zu kämpfen. Instagram = Aufmerksamkeit und Awareness auf Brand-Seite. Marken werden vielleicht auf einen aufmerksam und die Aufträge kommen auch durch die App zustande. Ich selbst habe z.B. lange nicht mit der App beschäftigt. Solange alles noch easy und frei war, hatte ich immer eine Menge Spaß und einfach gepostet. All das ist jetzt nicht mehr möglich, wenn man sich selbst eine Reputation aufbauen will. Da verging mir anfangs doch echt der Spaß. Ausgleichen werde ich das jetzt einfach mit einer Kamera mit Wlanfunktion. Mit der Kamera schießen, aufs Handy schicken und dann gleich dort bearbeiten und hochladen. Sonst werde ich noch echt verrückt.

      Einige Instagrammer können aber in der Zukunft noch auf Probleme stoßen. Läuft die App irgendwann nicht mehr, sind die Follower von dort nichts mehr wert und man muss woanders neu anfangen. Ein Blog hingegen ist einem selbst – sofern man einen eigenen Server gekauft hat und unabhängig bloggt.

      Ich finde es übrigens auch toll, wenn ich mich mit meinen Followern austauschen kann.

    • Andrea sagt:

      Lieben Dank für Deine Rückmeldung :) Sich nach oben zu kämpfen, dafür braucht man in der Online-Welt mittlerweile einen wirklich langen Atem sprich Geduld und durch verschiedene Änderungen auf Instagram gerade, was den Algorithmus angeht, wird es wohl noch schwerer. Es ist schade, wenn der Spaß der Professionalität weichen muss, die Erfahrung hast Du ja gemacht. Ich denke auch, dass der Blog auf jeden Fall das solidere Standbein ist und vor allem auch inhaltlich wertvoller gefüllt werden kann, so schön hübsch gemachte Fotos auch sind – sie können aber nie einen Text ersetzen und auch die Kommunikation mit der Community kann man hier einfach intensiver pflegen. Schönes Wochenende und liebe Grüße!

  4. shalely sagt:

    Sehr interessantes Interview. Ich muss sagen, es bestärkt mich darin, dass Instagram nicht wirklich meine Welt ist. Ich habe einen Account und poste dort auch regelmäßig, hauptsächlich aber um zu zeigen was so bei mir los ist und um in Kontakt zu bleiben mit den Blogger-Mädels die ich so kenne. Kooperationen habe ich mir abgeschminkt, dazu habe ich zu wenig Follower und wenn ich höre, dass sogar geplant wird, welche Bilder nun den Feed unregelmäßig machen könnten…. ich würde die Krise bekommen. Das geht mir einfach zu weit. Überhaupt dieser ganze Hochglanzhype, Perfektionismus usw., das ist einfach nicht mein Fall.

    • Sarina Sarina sagt:

      Mir geht es wie dir, irgendwie bin ich mit Instagram noch nicht ganz angekommen – aber ich gebe mir Mühe! Letztlich muss man bedenken, dass ehrliche Leser, die interagieren, natürlich mehr wert sind. Leider, und jetzt kommen wir zum Problem, können Marken nicht erkennen, wer wie viele ernsthaft interessierte Leser hat. Oder zumindest nur mit etwas Aufwand eine Ahnung davon bekommen. Dementsprechend bekommen natürlich die großen eher den Kooperationszuschlag (sofern dem Unternehmen Instagram wichtig ist).

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