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Ist Verhütung Frauensache? Die meisten würden diese Frage sicher bejahen. Die bekanntesten Verhütungsmittel wie die Antibabypille, die Hormon- und Kupferspirale oder der Vaginalring werden von uns Ladies eingenommen bzw. angewendet. Die Verantwortung liegt bei uns. Es ist unser Metier, weil unser Körper. Wir entscheiden uns am Ende für oder gegen eine Schwangerschaft. Ausschließlich auf den Mann verlassen wollen, funktioniert nicht. Ausgenommen davon natürlich die Verhütung mit dem Kondom, die nicht nur vor Schwangerschaften, sondern auch sexuell übertragbaren Krankheiten schützt.

Wie gut sind wir eigentlich über die unterschiedlichen Verhütungsmethoden informiert? Und können auch wir Frauen uns selbstbestimmt vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen?

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In der Regel nimmt die Frau die Pille, lässt sich die Spirale legen oder nutzt den Vaginalring. Dem Mann bleibt – sofern nicht zusätzlich mit einem Kondom verhütet wird – nichts anderes übrig, als der Frau zu vertrauen. Frauen setzen zurecht auf bewährte Verhütungsmethoden, da sie einfach anzuwenden sind und einen besseren Pearl Index haben, als Kondome oder das vatikanische Roulette. Doch liegt die Verantwortung wirklich nur bei der Frau? Wie sehr sind Männer in die Entscheidung involviert, auf welche Art und Weise verhütet werden soll? In langjährigen Partnerschaften wird sicherlich darüber gesprochen, welche Verhütungsmethoden in Frage kommen. Es ist wichtig, dass der Partner Interesse zeigt und die Frau darin unterstützt, eine für sie geeignete Verhütung zu finden. Häufig ist es jedoch so, dass sie nur begrenzt über bestimmte Verhütungsmethoden informiert sind.

Verhütung ist Frauensache.

Wie gut weiß euer Partner über die Spirale oder Antibabypille Bescheid? Weiß er, wie die „Pille danach“ funktioniert? In meinem Bekanntenkreis ist es so, dass Männer die Pille, die Spirale und maximal noch den Verhütungsring kennen. Wie genau diese Methoden funktionieren, wissen sie allerdings nicht. Wie steht es denn um NFP, die Hormonspritze, das Hormonimplantat oder das Diaphragma? Macht doch einmal den Test und fragt euren Partner, welche Möglichkeiten zur Schwangerschaftsverhütung ihm bekannt sind? Ich schließe eine Wette darauf ab, dass er maximal vier oder fünf Verhütungsmittel benennen kann. Wenn es um Nachverhütung geht, gibt es noch mehr Informationsbedarf. Nur 56% der Männer wissen überhaupt, dass es die „Pille danach“ zur Nachverhütung gibt. Ich habe offen gestanden noch nie einen Mann getroffen, der mir erklären konnte, wie die „Pille danach“ wirkt. Wie auch, wenn sogar Frauen teilweise nicht wissen, wie sie funktioniert? Die lückenhafte Kenntnis über Verhütung im Allgemeinen hängt in meinen Augen damit zusammen, dass für männliche Kontrazeption und die Forschung in diesem Bereich allgemein Nachholbedarf besteht.  Bis auf das Kondom – das zahlreiche Paare nicht in längeren Beziehungen benutzen möchten – und der Vasektomie, sieht es wirklich nicht besonders gut aus. Für Frauen gilt Ähnliches, wenn sie sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen möchten.

Sexually Transmissible Infections (STIs) – ein Thema, das uns Frauen beschäftigt.

Wenn der Mann kein Kondom benutzen möchte, bleibt Frauen noch das Frauenkondom. Es besteht aus Polyurethan und wird mittels biegsamer Ringe in der Vagina platziert. Besonders in Südamerika wird das Frauenkondom häufig benutzt, um sich vor STI und Schwangerschaften zu schützen. An sich eine vorbildlicher Ansatz, doch leider kann man keine Aussage über die Verhütungssicherheit der Methode treffen. Für bestimmte Situationen bietet es sich in jedem Fall an, doch eine wirkliche Lösung – auch zum Schutz vor ungewollter Schwangerschaft – bietet es nicht. Für uns Frauen könnte es in einigen Jahren jedoch eine Innovation geben, die die Diskussion über Verhütung im Allgemeinen und die Verwendung von Kondomen anheizen könnte. Derzeit wird an Universität Washington an einem Gewebe aus feinporigen Nanofasern geforscht, das antivirale und spermizide Substanzen enthält. Die Frau führt ein etwa 5 x 5 cm großes Gewebestück aus diesen Fasern mit dem Finger in die Vagina ein. Der Stoff löst sich auf und es bleibt ein Gel zurück, das bis zu zwei Tage empfängnisverhütend und antiviral wirkt. Das ist natürlich noch alles Zukunftsmusik, doch in den nächsten Jahren könnte sich im Bereich Verhütung einiges tun.verhuetung_ist_frauensache_2

Selbstbestimmte Sexualität aufgrund zuverlässiger Verhütung und Nachverhütung, Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten und eine verbesserte Gleichberechtigung in der Verhütungsfrage sind Themen, die in meinen Augen zu selten angesprochen werden. Wie seht ihr das? Ist Verhütung allein Frauensache?


* Dieser Beitrag wird von Cohn & Wolfe im Rahmen der Kampagne „Nur wenn ich es will“ unterstützt.

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Diskussion

12 Kommentare zu “Ist Verhütung reine Frauensache?”
  1. Stephi sagt:

    Natürlich ist Verhütung keine Frauensache. Wie du schon meintest, schützen die Pille, Spirale und Co. zwar vor Schwangerschaft aber eben nicht vor Krankheiten. Daher sind Kondome bei Sex eigentlich unerlässlich. Letztens gab es im Radio eine Umfrage zu dem Thema und es war erschreckend zu hören, wie wenig Leute tatsächlich Kondome benutzen. Selbst bei One Night Stands nicht. Ich finde das verantwortungslos und unglaublich. Ich möchte nicht wisssen, wieviele Menschen mit HIV rumlaufen und sich dessen nicht einmal bewusst sind.

    • Mia Mia sagt:

      Manchmal frage ich mich, wie das in Beziehungen abläuft? Alle sprechen immer davon, dass sie einen HIV-Test verlangen/selbst ablegen, bevor sie auf Kondome verzichten. Ist das wirklich so? Ich selbst kenne genug Frauen, die Kondome so schnell wie möglich gegen die Pille oder Ähnliches austauschen möchten. Männer natürlich auch. Kein Wunder, das Gefühl ist natürlich besser. Kommt es dann auch wirklich zum HIV-Test? Ich zweifle das an. Blutspenden ist dann manchmal mit mehr Nervenkitzel verbunden, als manchen lieb ist…

      Liebe Grüße!
      Mia

  2. Lakritz sagt:

    Geschlechtskrankheiten sind ja auch wieder auf dem Vormarsch und ich meine weniger HIV…. ich höre auch öfter von Bekannten: „Nee, aber xy kann ja nichts haben, bis vor kurzem war der ja mit xz zusammen….“. Da sträuben sich mir die Nackenhaare. Ich mag ja spießig klingen, aber diesbezüglich bin ich manchmal wirklich AUCH froh, dass ich lange in einer Beziehung bin und zumindest von mir sagen kann, dass ich treu bin (mir ist schon klar, dass auch das keinen 100%Schutz bietet also die Beziehung an sich ;). Zudem ich letztens las, dass viele Geschlechtskrankheiten auch übers Küssen übertragen werden können, zB wenn jemand vorher Oralverkehr hatte und dann ein Geschwür im Mundbereich etc. Ziemlich gruselig zugegeben. Aber auch da (Oralverkehr) gibt es ja Verhütungsmittel. Das habe ich aber ehrlichgesagt, auch erst vor kurzem mal gelesen. Insofern ist natürlich Verhütung auch Männersache. Lustigerweise hört man ja auch immer wieder den Spruch: Sie hat mir ein Kind angehängt. Aha, denke ich da immer nur, Kondome kennst du wohl nicht.
    Hat hier übrigens jemand Erfahrungen mit dem angeblich geringer dosierten Horminspiralen?!

    • Mia Mia sagt:

      Für Männer wird es 2017 eine neue Verhütungsmethode geben, die glaube ich für alle ganz interessant sein könnte. Gegen STIs nützt sie nichts, doch es wird ein Polymergel geben, das in den Samenleiter des Mannes injeziert wird. Das Vasalgel wird dafür sorgen, dass der Mann bis zu 10 Jahre steril ist. Wenn er vorher wieder fruchtbar sein möchte, so kann er das Gel mit einer weiteren Injektion auflösen lassen. Eine hormonfreie, recht sichere Verhütung. Das ersetzt Kondome nicht, doch könnte dafür sorgen dass Frauen in langjährigen Partnerschaften neue Verhütungsoptionen zur Auswahl haben. Das mit dem Kind anhängen finde ich auch sehr lächerlich. Zumal – was macht man als Frau dann? Unverhüteter Sex geht beide etwas, die Verantwortung danach (eventueller Schwangerschaftsabbruch) vor allem die Frau. Auch hier mangelt es an Gleichberechtigung. Ich würde mich freuen, wenn manche Männer mehr Einsicht hätten, denn für manche Frauen ist dieser Schritt wirklich nicht einfach.

  3. Ela sagt:

    Fein, dass Du Dich diesem Thema widmest!

    Ich nehme entsetzt eine „Laissez-faire“ Haltung bei vielen Männern und Frauen im Umgang mit sexuell übertragbaren Krankheiten (und Verhütung ) wahr. Nach dem Motto „Mit Aids kann mensch doch heute ewig leben“, Syphilis?- Gibt es das noch?“

    • Mia Mia sagt:

      Danke dir! Ich glaube auch, die lockere Haltung kommt daher, da alles „so weit weg“ ist. Betrifft immer nur die anderen. Wenn es dann passiert, ist der Schock groß…

      Greetz!

  4. Marie sagt:

    Ich schließe mich meinen Vorrednerinnen an – Verhütung ist eindeutig nicht nur Frauensache und ich kann auch nicht nachvollziehen, warum Kondome häufig als keine Alternative dargestellt werden. Man(n) kann sich sogar Kondome passend bestellen, das „ich fühle nichts“ Argument zieht bei mir deshalb nicht. Ohne jetzt wie Werbung zu klingen, aber sie bieten Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten, Schutz vor Schwangerschaft (der Pearl Index wird ja von der Hormon-Fraktion gerne als Nachteil eingeworfen, meiner Meinung nach kommt es auf das richtige Handling und die richtige Größe an), und es sind eindeutig beide (Mann und Frau) an der Verhütung beteiligt und gleichberechtigt verantwortlich. Und ganz nebenbei pumpt man seinen Körper nicht über Jahre mit Hormonen voll.

    Ein Thema, über das ich Stunden reden könnte, insbesondere da du leider recht hast und viel zu viele Männer und Frauen nicht genug über die verschiedenen Verhütungsmethoden wissen.

    • Mia Mia sagt:

      Ich habe jahrelang mit Kondomen verhütet und ich glaube nicht an die These, dass man viel falsch machen muss, damit sie reißen. Es passiert und du weißt nicht wieso, weil nichts anders war als sonst. Ich hatte schon Männer, die viel zu kleine Kondome benutzen wollten. Da habe ich nicht schlecht geguckt. Da kann man natürlich von einem höheren Risiko sprechen. Ansonsten finde ich, dass der Pearl Index allgemein eine schwierige Sache ist. Man kann sich tatsächlich nur auf sehr wenige Verhütungsmethoden zu 100% verlassen…Ich bin kein Freund von hormoneller Verhütung, doch rein statistisch überzeugt sie dahingehend tatsächlich.

      Liebe Grüße
      Mia

  5. Nancy sagt:

    Toller Beitrag. Ich benutze mit meinem Freund immer Kondome und bin zufrieden damit. Das Nanofasertuch klingt ja spannend für mich als Nanotechnologie Studentin, vielleicht kann ich später mal in so einem spannendem Themengebiet arbeiten, was der Gesellschaft auch nützt.
    Liebe Grüße ?

  6. Spannendes Thema, danke fürs „Auf den Tisch bringen.“ :-)
    Ich denke definitiv, dass Verhütung zu gleichen Teilen Männer wie Frauen betrifft, auch wenn die Praxis oftmals anders aussieht.
    Vermutlich liegt es in der Natur der Sache, dass bei sehr kurzlebigen Geschichten oder ONS viele Männer kein gesteigertes Interesse an der Verhütung an den Tag legen, da sie davon ausgehen, dass die Frau sich diesbezüglich „schon kümmern wird“ und ihnen vielleicht auch die emotionale Bindung fehlt, um ein gesteigertes Interesse an diesem Thema zu haben. Was natürlich kompletter Quatsch eigentlich ist, da eine ungewollte Schwangerschaft bestimmt das Letzte ist, was anvisiert wird und zudem die Gefahr von Geschlechtskrankheiten oder HIV ignoriert wird.
    Glücklicherweise habe ich in festen Beziehungen durchaus die Erfahrung gemacht, dass die Herren der Schöpfung sich genauso verantwortlich gefühlt haben und man die Vor-und Nachteile jeder Verhütungsmethode gemeinsam bespricht, um eine passende Lösung zu finden.
    Passend für mich ist derzeit die Gynefix, aber ich finde die von Dir beschriebene Verhütungsmethode für den Mann sehr spannend, die 2017 auf den Markt kommen soll. :-)
    Liebe Grüße
    Meike

  7. Leela sagt:

    Das neue Verhütungsmittel klingt sehr interessant, aber was mir ein bisschen Kopfzerbrechen bereitet, ist, dass es ja nicht nur virale STI gibt und man bei einem rein anti-viralem Produkt, dann doch wieder auf Kondome zurückgreifen muss. Ich habe leider häufig gesehen, dass im Sexualkundeunterricht ausschließlich mit den Mädels über die verschiedenen Verhütungsmittel gesprochen wird und bei Jungs teilweise nicht einmal die Pille danach genannt wird. Aber mich ärgert generell das Unwissen vieler Erwachsener über Verhütung von Schwangerschaften und STIs. Zum Beispiel weiß kaum jemand, dass ein gut behandelter HIV-Patient/-in ohne nachweisbare Viruslast seinen Partner/-in in Hinblick auf HIV nicht signifikant mehr gefährdet, als, wenn er/sie ein Kondom benutzen würde. Dabei regen mich auch viele Youtubevideos auf, die von Teenies geguckt werden, mit jeder Menge Halbwahrheiten über Verhütung. Ich würde mir leider v.a. von vielen Männern einen aufgeschlosseneren und interessierteren Umgang mit dem Thema wünschen. Ich habe mir neulich überlegt, ob mir das als Sicherheit reichen würde, wenn mein Partner eine hyothetische Pille für den Mann nehmen würde und da müsste das Vertrauen schon seeeehr gut sein, dass ich nicht zusätzlich verhüten wolle würde.
    Liebe Grüße
    Leela

    • Mia Mia sagt:

      Die meisten STIs, die uns tatsächlich „gefährlich“ werden können, sind viraler Natur. So zumindest der typische O-Ton. Ich denke, das ist der Grund, weshalb viele darauf den Fokus legen. An Syphillis und Chlamydien denkt kaum einer, wenn der große, dicke HIV-Elefant im Raum steht. Die Information zu HIV stimmt, doch es dauert eine Weile bis die Viruslast so niedrig ist. Gerade bei frischen Infektionen (und man weiß nichts davon) ist das Gefahrenpotential enorm, wenn es um eine Infektion geht. Zum Vertrauen: Wenn beide nachweislich gesund und treu sind – ich würde mich auch auf den Mann verlassen.

      Beste Grüße
      Mia

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