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Der Gedanke meine Reisen zu dokumentieren, schwebt mir schon eine Weile im Kopf herum. Ich reise das ganze Jahr über so oft ich kann. Warum dann nicht mit euch teilen was ich unterwegs gesehen und gefühlt habe oder wo es das beste vegane Essen gibt? Hier also der ersten Reise- und Food-Guide aus Patagonien mit den schönsten Wanderungen, Sehenswürdigkeiten und allen Health Food Empfehlungen!

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Nach Patagonien zu reisen war für mich eine ziemlich gewagte Wahl. Bedeutet dies doch sich mit unbarmherzigen Wetterbedingungen auseinanderzusetzen, mich stundenlangen Wanderungen zu stellen und selbst mit wenig Hotelkomfort auszukommen. Zudem musste ich mich der Unsicherheit stellen weder gesundes noch veganes Essen zu bekommen. Trotzdem, wenn du nach 10 Stunden wandern auf allen Vieren den ersten Blick auf den kristallklarsten Gletschersee der Welt wirfst, umrandet von schneebedeckten Gipfeln, versteht man warum Patagonien genau die richtige Wahl ist. Mit seinen schier endlosen Straßen und Wanderungen bietet Patagonien viel Raum zum Nachdenken und Verarbeiten. Das unbarmherzige Wetter und die Wanderungen haben mich zugegebenermaßen schnell gebrochen, aber im nächsten Moment hat mich die unfassbare Wildheit und Schönheit der Natur wieder aufgebaut. Für mich war Patagonien eine der härtesten, anspruchsvollsten und dennoch heilendsten Trips, die ich in den letzten Jahren unternommen habe.

 “Patagonia is an adventure that happens outside.” – Unknown

Für alle, die Patagonien nie als Reiseziel in Betracht gezogen haben, möchte ich hier ein Bild zeichnen: himmelhohe, atemberaubende Bergmassive, aquamarine Gletscherseen, gelbgrünes Grasland mit wilden Guanakos, Gürteltieren und dem ein oder anderen Stinktier. Dazu endlose Straßen, die ins Nichts zu führen scheinen. Ein riesiges Stück dünn besiedeltes Land zwischen Chile und Argentinien, das sich bis nach Feuerland erstreckt. Fast bestraft mit solch heftigen Wetterbedingungen, die es für  die meisten Europäer unfassbar macht dort leben zu können. Aber wer ab und zu den Abenteurer in sich rufen hört und sich nach einem ganz anderen Reiseziel sehnt, wird dieses raue Stück Land genauso zu schätzen wissen wie ich.

Was sollte man unbedingt einpacken?

Es gibt nur ein paar wenige Dinge, auf die ich während meiner Reise nicht hätte verzichten wollen. Wind wird eurer größter Feind sein – das heißt, packt einen guten Windbreaker ein! Dazu eine wasserfeste Jacke, Sonnencreme, eine Mütze, Sonnenbrille und gute, knöchelhohe Wanderschuhe. Ich würde auch empfehlen Wollunterwäsche mitzunehmen. Diese hält während der doch oft kalten Wanderungen schön warm. Ich habe zusätzlich noch einige schnelltrocknende Wanderleggings im Gepäck gehabt.

Die beste Zeit um nach Patagonien zu reisen?

Wir waren im patagonischen Sommer – im Dezember – dort. Es ist wirklich sinnvoll während dieser Zeit zu reisen, denn die Winde waren trotzdem noch extrem stark. Allerdings regnet es weniger und es gibt gute Chancen auf hervorragende Wanderbedingungen. Trotzdem: das Wetter kann sich in den Berggebieten extrem schnell ändern. Die Temperaturen liegen normalerweise zwischen 10 und 18 Grad Celsius.

Wie reist man durchs Land?

Entgegen meiner Erwartungen, hat Patagonien eine sehr gut ausgebaute Infrastruktur. Man kann Busse nehmen, die alle Touristenziele verbinden. Wer gern individueller reist, wird – wie wir – einen Mietwagen vorziehen. Die Mietpreise können in der Hochsaison sehr hoch sein. Rechnet für 2,5 Wochen mit steilen 3.000 € für einen Wagen mit Allradantrieb. Falls ihr vor habt die Grenze zwischen Argentinien und Chile zu überqueren, dann informiert die Vermietung in jeden Fall darüber, damit sie die richtigen Dokumente zur Verfügung stellen, die ihr dann an der Grenze vorzeigen müsst. Solltet ihr, so wie wir, bis nach Feuerland fahren, steigt ihr auch mindestens einmal auf die Fähre um. Auf dem Weg nach Feuerland sind diese in der Regel pünktlich, aber auf dem Rückweg gibt es oft Wartezeiten bis zu sieben Stunden.

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Wo bekommt man vegetarisches und gesundes Essen?

Sich gesund und vegetarisch (vegan ist fast unmöglich) zu ernähren, verstand sich im „Land des Steaks“ als eine echte Herausforderung. Die beste Wahl sind hier wahrscheinlich die Supermärkte – zumindest in größeren Städten wie El Calafate oder Puerto Natales. Dort gibt es eine vernünftige Gemüse- und Obstabteilung. Man muss sich vorstellen, dass alles nach Patagonien gebracht werden muss, da das Landwirtschaften aufgrund des unbarmherzigen Wetters schwierig ist. Noch ganz wichtig: an den Grenzübergängen zwischen Chile und Argentinien müssen alle Früchte und sämtliches Gemüse entsorgt werden. Das führte dazu, dass ich an jedem Grenzübergang mindestens drei Äpfel und eine Handvoll Bananen futtern musste. Für Veganer gibt es keine pflanzlichen Ersatzprodukte wie Sojajoghurt oder veganen Käse. Sojamilch habe ich nur einmal in einem größeren Supermarkt in Ushuaia gefunden.

Wie kommt man in Patagonien unter?

Trotz der spärlich besiedelten Gegend gibt es eine riesige Auswahl an Unterkünften für jedes Budget – von schlichten Hostels, über gemütliche Airbnbs bis hin zu glitzernden High-End-Hotels. Wir nutzten eine gute Mischung aus Airbnb, Hostels und manchmal auch Hotels, wenn wir mal eine Pause brauchten. Es gibt auch viele Traveler die zelten, doch in Anbetracht der verrückten patagonischen Winde, hätte ich mir nicht eine einzige Nacht im Zelt zugetraut. Aber sicher eine gute Option für die echten Abenteurer da draußen! Im Allgemeinen sind Unterkünfte recht teuer – der Standard ist gut. Frühstück ist selbst bei Hostels oft inbegriffen. Meist nicht wirklich gesund, besteht das Frühstück häufig aus Toast, Joghurt, Cerealien und Kaffee. Alternativ kann man auch sein eigenes Essen mitbringen, wie Avocados, Bananen, Peanut Butter, Hafer und Früchte. 

“Because in the end, you won’t remember the time you spent working in the office or mowing your lawn. Climb that goddamn mountain.”― Jack Kerouac

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Die schönsten Orte in Patagonien

El Calafate + Perito Moreno Gletscher

Wenn ihr mit dem Flugzeug in Patagonien ankommt, landet ihr höchstwahrscheinlich in El Calafate. El Calafate mutet eher wie ein amerikanisch angehauchtes Touristendorf an, als eine Stadt in Patagonien. Es wimmelt nur so von Restaurants, Supermärkten, Touristenbüros, Hotels und Souvenirgeschäften. Zu sehen gibt es allerdings nicht viel. Man ist hier, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen, Touren zu buchen oder ein Souvenir zu ergattern. Oder eben als Ausgangspunk,t um den unbeschreiblichen schönen Perito Moreno Gletscher zu besuchen.

Highlights:

+ Mehrstündige Tour zum Perito Moreno Gletscher. Der Perito Moreno ist einer der wenigen weltweiten Gletscher der immer noch stabil ist – sprich: nicht schmilzt. Es ist absolut zauberhaft dieses riesige, 80 Meter hohe Monster von einem eisblauen Gletscher zu beobachten. Es ist eines der beeindruckendsten Natursehenswürdigkeiten, die ich je gesehen habe. Wenn ihr lang genug bleibt, könnt ihr hautnah miterleben, wie riesige Eisstücke abbrechen und in den eisblauen See stürzen. Ich hätte Stunden dort verbringen können! Kommt am besten kurz nach 9.00 Uhr morgens direkt wenn der National Park öffnet, um die Touristenmassen zu vermeiden. Perito Moreno ist mit Sicherheit sehr touristisch, aber sollte auf keinen Fall verpasst werden!

+ Pura Vida Restaurant serviert vegetarisches Essen nach Art des Hauses. Dieses Restaurant wurde uns von einem Einheimischen empfohlen. Wir hatten hier gefüllten Kürbis mit patagonischen Bieren. Das war großartig, aber auch ziemlich teuer.

+ Viva La Pepa ist ebenfalls eine gute Option für vegetarische Crepes und Sandwiches. Es gibt einen schönen Innenhof und einige gute Weine.

+ Tour mit Glaciares del Sur. Lasst die Touristenmassen hinter euch und besucht den unerforschten Teil des Parque Nacional Los Glaciares. Unsere Tour beinhaltete eine Busfahrt zum See Roca, wo mit dem Boot übersetzt wird, gefolgt von einer 4-stündigen Wanderung zum Gletscher Frias. Die Tour ist wirklich spannend mit tollen Guides. Ein Tipp für Hungrige wie mich: nehmt etwas extra zu Essen mit und verlasst euch nicht auf die Lunch-Box.

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El Chalten + Fitzroy

El Chalten ist drei bis vier Autostunden von El Calafate entfernt und ihr seht das gewaltige Fitzroy Massiv bereits Stunden bevor ihr in El Chalten ankommt. Der Anblick ist einfach überwältigend – zumindest wenn das Wetter mit spielt. Wenn das nicht der Fall ist, stehen die Chancen gut, dass die Berge komplett in Wolken gehüllt sind. Man kann nicht mal erahnen welches Bergmassiv sich dahinter versteckt. El Chalten war der heimliche Star der gesamten Reise mit den besten Wanderungen und meinem Lieblingsrestaurant in ganz Patagonien.

Highlights:

+ Wandern zum Fitzroy Berg ist ein absolutes Muss! Der Wanderweg ist 9 km lang, anfangs relativ easy, aber der letzte Kilometer hat es in sich. Dafür werdet ihr mit einer atemberaubenden Aussicht auf den Berg und einem märchenhaften Gletscher belohnt. Bereitet euch auf starke Winde vor und steckt Sonnencreme und viel Wasser ein. Startet auf dem Wanderweg so früh wie möglich. Am besten sieben oder acht Uhr am Morgen, denn seit die Amerikaner Patagonien für sich entdeckt haben, ist man ab 11 Uhr von Wandergruppen umzingelt.

+ Tagestour zum Lago Desertio. Das war ein großartiger Geheimtipp von einem Airbnb Host. Hier kommt man über unbefestigte Straße leider nur mit dem Mietwagen hin. Man fährt durch wunderschöne urige Wälder mit eisblauen Stromschnellen, vorbei an einem massiven Wasserfall und endet in einer Bucht mit einer fjordähnlichen Landschaft. Wir waren total begeistert von diesem Tagesausflug!

+ Das Curcuma Restaurant ist ein kleines wunderschönes Café mit hausgemachtem, gesundem und rein veganem (auch rohem) Essen. Mit nur ein paar Tischen fühlte es sich an, als ob man direkt zwischen den Köchen in der Küche hockt und ihnen zuschaut wie sie alles von hausgemachten Wraps, Zoodle-Schüsseln und Cashew-Käse-Pizza zubereiten. Für mich war das Curcuma ein magischer Ort, an dem ich mit Smoothies und Kuchen nach den anstrengenden Wanderungen auftanken konnte und mit lieben Fremden ins Gespräch kam. Das Essen war großartig und ist so in Patagonien nirgends zu finden! Hier gibt es auch tolle Lunch Pakete zum Mitnehmen – wenngleich auch nicht ganz billig. Ein Must für Health Foodies!

+ Holistic Massage: Eine perfekte Alternative für regnerische Tage oder wenn ihr eine Auszeit vom Wandern braucht. Ich kann leider den Namen dieser kleinen Massagepraxis nicht mehr finden, aber es ist direkt neben dem Curcuma Restaurant. Die Inhaberin bietet himmlische Hot Stone Massagen an – für mich pure Glückseligkeit!

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Puerto Natales + Torres Del Paine National Park

Puerto Natales ist ähnlich wie El Calafate ein weitläufiges Dorf. Doch bei klarem Himmel könnt ihr hier die spektakulären Berge rund um die Stadt sehen. Vor allem aber ist Puerto Natales das Tor zum Torres Del Paine National Park, der nicht eindrucksvoller sein könnte. Außerdem könnt ihr dort Unmengen an wilden Guanaco Herden beobachten.

Highlights:

+ Tour zum Torres Del Paine National Park. Definitiv eines der großen Highlights in Patagonien! Der National Park liegt etwa 110 km von Puerto Natales entfernt. Nehmt die Rundroute durch den Park, so verpasst ihr nichts. Macht unbedingt die einstündige Wanderung am Wasserfall Salto Grande und haltet so oft wie möglich an, atmet durch und bewundert die traumhafte Landschaft.

+ Verpasst auf keinen Fall die Tageswanderung zu den 3 Torres und seinem riesigen blauen Bergsee. Für mich war der Wanderweg extrem steil und anstrengend – speziell die letzte Stunde müsst ihr über viele Felsen klettern. Aber glaubt mir, wenn ich euch sage, es lohnt sich!

+ Aldea Restaurant ist ein wunderschönes, gemütliches Restaurant mit einem unverschämt guten Service und gleichsam großartigem, vegetarischen Essen. Alles ist frisch, hausgemacht und auch ein wenig teuer. Aber es ist mit Abstand the best pick in town.

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Ushuaia + Tierra del Fuego

Ushuaia zu überspringen scheint naheliegend, denn es ist nicht nur verdammt weit weg, auch das Wetter ist noch unberechenbarer. Die lange Fahrt und das Übersetzen mit der Fähre war anstrengend, aber die Fahrt in die südlichste Stadt der Welt ist einfach atemberaubend. Ushuaia ist zugegebenermaßen sehr touristisch, denn von hier aus starten die meisten Expeditionen ins arktische Eis.

Highlights:

+ Wandern im Tierra Del Fuego National Park in der Nähe von Ushuaia solltet ihr nicht verpassen.

+ Besucht die Königspinguine im privaten Parque Pinguino Rey: 80 km von Porvenir (auf einer Schotterstraße). Der Weg ist weit, aber die Möglichkeit diese Tiere in der freien Wildbahn zu erleben, wollten wir uns doch nicht entgehen lassen. Bringt ein Fernglas mit wenn möglich!

+ Marco Polo Freelife ist eine gute Alternative für frische Säfte und gesundes Essen zum Mitnehmen.

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Lasst mich wissen, ob euch mein Patagonien Guide gefallen hat! Ich freue mich darauf noch viele weitere Abenteuer mit euch zu teilen! Welche Abenteuer habt ihr für dieses Jahr geplant?

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Diskussion

2 Kommentare zu “Reisebericht Patagonien inklusive Veggie Food Guide”
  1. Julia sagt:

    Einfach nur WOW! Vielen Dank für den schönen Guide. Ich hätte nicht gedacht, dass es dort doch einige vegetarische/vegane Lokale gibt. Patagonien steht für Ende 2019 auf meinem Reiseplan! :)

    • kerstin sagt:

      Danke für den interessanten Bericht und die tollen Bilder! Ich selbst war vor ein paar Jahren im November in Patagonien, es war einfach nur wow. Ich habe das Wetter nicht so krass empfunden, habe mich trotz dass ich nur einfache Kleidung (ich trage nie Outdoorkleidung, ausser Wanderschuhe) mit hatte, immer wohl gefühlt und auch nicht gefroren.

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