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Ich habe nie Probleme Männer kennenzulernen und in die Early Stage-Datingphase zu rutschen. Was mir jedoch immer öfter passiert, ist das abrupte Ende davon. Oft auch ohne überhaupt etwas direkt mitgeteilt zu bekommen. ‚Ghosting‘ oder weniger werdender Kontakt – ich kann sagen, dass mir das im letzten Jahr jedes Mal in genau dem Moment passiert ist, in dem ich anfing ihn zu mögen. Auch vielen meiner Freunde passierte das. Grund genug, die Sache mal zu analysieren.

LOVE HAPPENS – ODER NICHT.

Jetzt würde ich mich gern den vielen Stimmen anschließen, dass es nicht an mir liegt und Timing und Interesse manchmal einfach nicht da sind. Love happens – oder eben nicht. Nachdem mir das jetzt aber schon zum dritten Mal in Folge widerfährt, ist es Zeit für ein bisschen Selbstreflektion.

Ich gehe gern aus, halte nichts von Tinder und finde mich auch mal allein in einer Bar wieder. Ich lerne ihn spontan kennen, wir verbringen einen sehr lustigen Abend (ob es ein Gespräch war, eine Übernachtung oder Sex ist dabei ganz gleich) und es ist für beide Seiten ganz klar, dass man sich wiedersehen möchte. Daran zweifle ich nicht und ich finde es immer sehr schön, wenn keine Dating-Regeln eingehalten werden, sondern man sich einfach meldet, wenn man Lust hat. Noch am gleichen Abend, am Tag danach, drei Tage später. Ich lasse mich so gern mitreißen von den ersten aufregenden Tagen, Nachrichten und Dates, bei denen ich einen Tag vorher schon nichts mehr essen kann.

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Nach drei, vier Wochen dann der Wechsel. Manchmal ging es von ihm aus, manchmal wollte ich nicht mehr. Ich versuche es immer ganz klar zu sagen, wenn mein Interesse versiegt. Aber auch ich habe schon aus Angst vor der Konfrontation, Faulheit, Mitleid oder weil ich keine Lust auf unangenehme Gespräche hatte, die Dinge langsam im Sand verlaufen lassen. Man meldet sich weniger, setzt andere Prioritäten und zögert somit das nächste Date so lange hinaus, bis es der andere offensichtlich realisiert hat und nicht mehr fragt. Dann vergeht ein bisschen Zeit und beim nächsten zufälligen Treffen ist man auf einer neutralen Ebene. Dann ist man nur noch ‚Somebody That I Used To Date‘.

SOMEBODY THAT I USED TO DATE

Dabei weiß ich selbst, wie schmerzhaft genau dieses Verhalten für das Gegenüber ist. Mittlerweile habe ich eine feine Nase für Abweisung entwickelt und merke relativ schnell, wenn mein Date sich zurückzieht. Ich versuche mich zu entspannen, es nicht persönlich zu nehmen und weiterzuziehen. In Wirklichkeit erwische ich mich alle zehn Sekunden beim Blinzeln auf das Handy, wanke zwischen Wut und Trauer und fühle mein Selbstwertgefühl wie einen Spiegel zersplittern. Bin ich so uninteressant? Nicht hübsch genug? Nicht unterhaltsam, nicht intelligent, nicht großbusig genug? Die Dating-Debakel der letzten Jahre werden in einen Topf geschmissen und wahllos miteinander kombiniert. Das Ergebnis ist große Verunsicherung. Meinen Freunden peinlich berührt präsentiert, bekomme ich verbale Backpfeifen, dass ich mit diesem Quatsch aufhören soll. Ja, ich weiß! Aber wenn das Ego angeknackst ist, fällt es mir sehr schwer wieder klarzukommen. Ich muss der Sache auf den Grund gehen.

Und so finde ich mich wieder, Montagabend im Pyjama und mit Schnapsglas, allein in meinem Wohnzimmer. Im Hintergrund ‚I Couldn’t Care Less‘ von Leslie Clio. Ich klicke mich durch etliche Videos auf YouTube, lese Texte, mache mir Notizen. So direkt habe ich mich mit dem Thema nie beschäftigt, doch weiter im Kreis drehen möchte ich mich auch nicht mehr.

IF YOU DON’T LIKE MY PEACHES THEN DON’T SHAKE THE TREE

Gegen Mitternacht dann die Erkenntnis. Es gibt tatsächlich ein Verhalten, welches ich jedes Mal an den Tag lege, wenn ich beginne, mich auf jemanden einzulassen. Ich springe jedes Mal direkt auf den emotionalen Dating-Zug auf. Schreibt er täglich, schreibe ich zurück. Will ich ihn sehen, frage ich nach, mache Platz in meiner Woche. Schlafplatz? Ja klar! Er weiß noch nicht, ob oder wann es klappt? Alles entspannt, nimm dir Zeit! Ich habe geputzt, eingekauft, mich hübsch gemacht. Eine Erwartung, dass mein Date auch das alles für mich macht, habe ich nicht. Allein, dass er da sein möchte, ist genug. Was ich bislang für eine tolle Eigenschaft meiner Persönlichkeit gehalten habe, fällt mir jetzt als großer roter Haken ins Auge: Ich habe keinen Wert für mich selbst festgelegt.

Die erste Zeit des Datings bin ich noch ruhig. Spätestens, wenn ich beginne immer wieder zu betonen, wie entspannt ich bin, bin ich es aber anscheinend so gar nicht mehr. Und so von weiter weg betrachtet, muss ich zugegeben, dass mich genau dieses Verhalten bei Männern so oft dazu bringt, das Weite zu suchen.

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Wie schaffe ich es also, mich nicht mehr so schnell selbst zu verlieren? Auch wenn das Herz ausgehungert schon seit Monaten in Lauerstellung steht, mein Leben und ich quasi bereit für alles wären und ich doch sofort von einer Hormon-Wolke umgeben bin?

Meiner Vater sagt, bleib einfach du selbst und mach‘ mit deinem Leben weiter wie bisher. Meine Mutter sagt, mach‘ dich interessant, lass ihn ankommen. Ich bin noch nicht überzeugt, aber versuche es auf mein Verhalten zu beziehen, ohne Dating-Spielchen zu beginnen. Denn das bin ich nicht und möchte es auch nicht sein.

SELFWORTH HIGHSCHOOL

Thema Texting: wenn ich also eine Nachricht bekomme, antworte ich wenn ich Zeit habe. Bin ich mit Freunden unterwegs, muss er warten, bis ich mich damit befassen kann. Das mache ich eigentlich jetzt schon ganz gut. Ein Treffen? Ich kann schon nach einem Date fragen, aber ich sollte auch mal abwarten, bis ich gefragt werde. Und wenn nach keinem konkreten Tag gefragt wird, sollte ich mir nicht unterbewusst jeden Abend mit meinen Freunden freihalten und sie mit den Worten hinhalten: „Ja, ich bin vielleicht dabei, muss ich spontan gucken, ich habe vielleicht noch eine Verabredung.“ Nein, ich sollte zu meinen Entscheidungen stehen. Liegt eigentlich auf der Hand, mache ich sonst auch so – warum vergesse ich das dann immer? Dating-Coach Matthew empfiehlt, sich folgende Fragen zu stellen:

What is okay/not okay for a guy to do around me? – Welches Verhalten von Datingpartnern in meinem Umfeld ist für mich in Ordnung und nicht?

What kind of treatment do I expect? – Wie erwarte ich behandelt zu werden?

What am I looking for? – Wonach suche ich?

How do I communicate that? – Wie kommuniziere ich das alles?

Es ist komisch, dass ich mir diese Fragen noch nie selbst gestellt habe. Für einen Moment fühle ich mich wie bei einem dieser Softskill-Seminare, die mich auf meinem Berufsweg begleitet haben. Da habe ich mir solche Fragen schon oft gestellt – warum aber habe ich meine Dating-Routine noch nie hinterfragt?

Nachdem die Antworten für mich feststehen, versuche ich mir einen Leitfaden zu basteln, damit ich beim nächsten Mal nicht wieder sofort und allein in der rosa Wolke verschwinde. Natürlich ist das kein Erfolgsrezept und es kann weitere Gründe geben, warum es nicht passt. Aber ich habe erkannt, dass ich selbst ein Verhalten an den Tag lege, das einen anderen Menschen für mich schnell uninteressant macht. Das möchte ich ändern. Und außerdem lernen, dass ich genug wert bin, dass man sich etwas ins Zeug legt und am Ball bleibt. Und dass ich nicht aus Angst vor Abweisung und kurz-vor-30-Zeitdruck, alles möglich machen muss und mir selbst das als „lässig sein“ verkaufe.

Also lasse ich Altes jetzt wieder los, richte mich mit einer frischen Portion Selbstwertgefühl und einem Plan in der Hosentasche wieder auf und blicke dem Rest des Sommers entgegen.

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Diskussion

3 Kommentare zu “Dating: Allein in der rosa Wolke”
  1. Tanja sagt:

    Ich liebe den Artikel mir ist genau dasselbe in letzter Zeit widerfahren hast du interessante artikel/Tipps mit denen ich mich beschäftigen kann um irgendwie klar zu kommen. Und vielleicht ein paar ausgehtipps zur Ablenkung?? :) ganz liebe Grüße

    • Sarah Sarah sagt:

      Hi liebe Tanja!

      Awee dankee! Also ich liebe ja vieles was Judith Poznan von im Gegenteil schreibt und ich muss sagen, all die YouTube Dating Tipps (die man natürlich nicht zuuuu ernst nehmen darf) wie zB von Matthew Hussey fand ich sehr unterhaltsam und sie haben mich schon zum Nachdenken angeregt, wie meine Meinung dazu eigentlich ist. Zu viel sollte man sich natürlich nicht damit beschäftigen damit man nicht zu verkopft wird. Aber wenn es gerade passiert ist, hilft mir das zumindest. :)
      Ansonsten soll das Wetter schön werden und ich empfehle dir Biergärten und ohne Plan die Straße langgehen und in jeder Bar, die dir gefällt, kurz zu verweilen. Immer in Bewegung bleiben und nicht zu viel Nachdenken!;) Sonntag ist auch ein Open Air am Nordstrand/Cospudener See. Vielleicht auch das Thema wie eine Erkältung behandeln – kommt 3 Tage, bleibt 3 Tage, geht 3 Tage! haha

      Liebst, Sarah

  2. Tanja sagt:

    Danke, mega lieb von dir dass du mir so tolle tipps gegeben hast;)
    Bei mir ist irgendwie eher das Problem das gerade niemand „anderes“ da ist und ich deshalb viel zu lange wegen dem Typen traurig bin und mich frage was ich falsch gemacht habe…

    Aber deine Tipps sind super—danke >§

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