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Seit wenigen Monaten bin ich so richtig „Single“. Für mich ist das eine kleine Besonderheit, denn ich war in meinem Leben bisher selten über längere Zeit allein. Wir sprechen hier nicht von der großen Liebe, doch ein paar Verehrer hier und da? Das war durchaus normal. Im Gegensatz zu früher habe ich mir nach der letzten Vollkatastrophe (einen anderen Namen verdient dieser Sh*t nicht) Zeit genommen und nicht sofort den nächsten Rebound rangezüchtet. Die Anfangszeit war etwas ungewohnt. Verführungen auf allen Wegen, doch ich habe eisern Sarahs Rat befolgt. Den anstrengenden Mist der letzten eineinhalb Jahre erfolgreich ad acta gelegt und mich ausschließlich um mich gekümmert.

Eine gute Strategie, die ich euch in jedem Fall ans Herz legen kann. Der Druck der Gesellschaft, dass Frau ja unbedingt einen Partner braucht und ohne Beziehung nicht vollständig oder gar eine Versagerin ist, juckt mich nicht. Meine Schwester und zahlreiche Freundinnen sind ebenfalls single. Ich habe einen riesigen Girl Squad und wir alle teilen ein Schicksal. Besser kann man es kaum treffen! Manchmal schaue ich trotzdem, was der Markt zu bieten hat. Meist aus Langeweile und nicht leugbarer Faszination am Unbekannten. Wenn sich eine App für Sozialstudien eignet, dann ist es Tinder. Ob beim Autounfall gaffen oder Kuriositäten auf Tinder sammeln? Gefühlt fällt das in eine Kategorie.

Tinder bringt dich teilweise mit Menschen zusammen, auf die du normalerweise nicht treffen würdest. Ich gehöre sicherlich ebenfalls in die Rubrik Weirdo, doch was sich beim Online Dating abspielt, ist gelegentlich jenseits von Gut und Böse. Im Schutze der Anonymität geben viele Dinge preis, die eigentlich hinter vorgehaltene Hand gehören. Zumindest für das Groß der Menschen, die manches durchaus als Tabu empfinden mögen. Meine Erfahrungen auf Tinder sind vielseitiger, als mancher Buchautor sie vermutlich zeichnen könnte. Dafür muss man sich teilweise nicht einmal treffen, die Kommunikation allein hat es in sich. Ein Potpourri an Freaks, sozialen Randfiguren und mitunter ziemlich tollen Typen. Unterhaltung pur! Aus diesem Grund präsentiere ich euch meine Top Drei der kuriosesten Tinder Matches 2017.

Der geheime Porno-Baron

F. habe ich gematcht, weil er seinen Kopf auf allen Profilfotos absichtlich abgeschnitten hatte. Ich wollte wissen, was sich oberhalb vom 8 Pack abspielt. Es braucht offensichtlich nur den Hauch einer geheimnisvollen Verheißung, um mich neugierig zu machen. Nachdem er mir ein Bild schickte, sagte ich ihm gerade heraus, dass er nicht mein Typ ist. „Oh, you’re into white guys. You don’t like black men“. Totaler Unsinn, wie meine Freunde wissen. Der Mann, der mich zuletzt komplett liebeskrank gemacht hatte, ist Afroamerikaner. In jedem Fall nervte mich diese Opferhaltung schnell an. Gejammer mit einem Touch implizitem Rassismus, nur weil er mir nicht gefällt? Ich wollte das Ganze schnell cutten, doch er bat darum, ob man nicht dennoch Kontakt halten könne. Naja, er hatte meine Nummer. Fail meinerseits. Nach zwei Stunden enthüllte er dann seine geheime Identität. Ohne Vorwarnung. Ich als Fremde könne wissen, was er neben seinem Studium wirklich tue. Nicht einmal seine Familie wisse Bescheid. Was folgt, bringt mich umgehend wieder zum Schmunzeln. Er hatte eine nigerianische Amateur-Porno Website aufgebaut, die durch zusätzliche Swinger Parties in Nigeria einiges an Geld abwirft. Er spamte mich auf WhatsApp mit allerhand Links und Veranstaltungshinweisen zu.

Die größte Page auf dem nigerianischen Markt, mehrere Angestellte und eine ordentliche Reach für eine solche Nische, wie er mir versicherte. Ich glaubte ihm zuerst nicht, bis er mir von seinem Twitter-Porno Account Nachrichten zusendete. Natürlich um sie gleich wieder zu löschen, denn alles was er tat, war total low key. Wer auf Tinder ohne Gesicht unterwegs ist, scheint tatsächlich gesteigerten Wert auf seine Privatsphäre zu legen. Dann wollte er meine Meinung, wie er auf dem deutschen Markt Fuß fassen könne. Er möchte die Seite umgestalten, glaube aber deutsche Frauen und Paare würden weder Orgien noch Sex mit Afrikanern mögen. Wie ich das sehen würde und ob ich einen günstigen Webentwickler kenne? Zwischendurch erhielt ich immer wieder aufgesetzt verzweifelte Sprachnachrichten, wie er denn aus der Friendzone entkommen könne. Insgesamt hochunterhaltsam und so unerwartet, dass F. definitiv die Krone erhält.

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Der prollige Mitdreißiger

Nach einem kurzen Treffen überfiel er mich auf offener Straße mit seiner offensichtlich sexuellen Natur. An sich toll, wenn ich auch Bock darauf gehabt hätte. Hatte ich aber nicht. Sein Instagram-Account ist eine Mischung aus seinem Hobby, einem Extremsport in luftigen Höhen und Bildern, die schnöselig wirken. Ich kann Snobismus auf den Tod nicht leiden. Wenn jemand Geld hat, ist das eine Sache. Sich dementsprechend zu inszenieren oder seine reichen Freunde dafür heranzuziehen, finde ich schräg. Mir ist Vermögen nicht wichtig und es ist vermutlich das Letzte, womit man mich beeindrucken kann. Kritisiert wurde ich zuerst als hart, dann als „lebbrich“ und ohne roten Faden. Sorry, wenn ich nach 5 min mit dir kein Label für bestimmte Verbindungen will. Und dann auch noch offen kommuniziere, wenn ich etwas nicht mag. Ganz großer Fehler.

Was er vermutlich möchte, sind schöne Frauen, die er wie dekorative Objekte mit sich führen kann. Ein eigener Kopf ist zuerst ein Pluspunkt, aber nach ein paar Monaten eher nervig. So ein Mäuschen kann man doch besser formen. Ich glaube, er ist eigentlich ein cooler Typ, nur lässt ihn seine Unsicherheit gepaart mit Geltungsbedürfnis schlichtweg etwas „drüber“ wirken. Zudem atmete er wie ein brünstiger Hirsch, wenn er mir zu nahe kam. Derart aufgesetzt und daneben, dass ich mich fremdschämen musste. Nicht zu vergessen, dass er erst wie irre textete, dann kurz verschwand und später wieder handzahm und überfreundlich wurde. Parallel eine andere Frau auschecken ist cool, bei mir allerdings ein Hinweis für „massenhaft scouten, weil anderswo das Gras grüner und saftiger sein könnte“. Nicht mein Standard, weshalb ich ihn wenig später zynisch darum bat, mich in Ruhe zu lassen. Vielleicht habe ich ihn auf dem falschen Fuß erwischt, aber irgendwie war ich nach kurzer Zeit einfach nur genervt.

Der Erdoğan-Anhänger

Er kam aus Berlin, war Deutsch-Türke und hatte diesen Blick, den Frauen einfach lieben. Sanfte, dunkle Augen. Da setzt es bei mir aus, das gebe ich offen zu. Nach wenigen Minuten fragte er, was ich beruflich mache und erzählte, er sei „Berlin-Vertreter“ für eine türkische Nachrichtenagentur und auch für die derzeit regierende Partei AKP aktiv. Da schellten bei mir erstmal die Alarmglocken. Ich fühlte mich gleich genötigt, zu betonen dass politisches Engegament wichtig sei, ich jedoch liberal eingestellt bin. Seine Antwort daraufhin? – „Halt dich fest: Ich bin überzeugter „Erdoğan-Anhänger“, so wie uns die Medien und Politiker hierzulande mal ganz lieb herabwertend bezeichnen.“ Ich verurteile Menschen nicht, wenn ich nichts über Beweggründe und Motive weiß. Also fragte ich ihn, weshalb er hinter Erdoğan stehe?

Es gäbe in seinen Augen 1000 Gründe, warum man Erdoğan lieben könnte. Er habe den Kurden die Freiheit wiedergegeben, habe den Islam gestärkt, da Kopftücher und mehr als 2 Stunden islamische Lehre in der Woche zuvor verboten waren und überhaupt seien die Reisewarnungen des auswärtigen Amts lächerlich. Erdoğan sei für eine Heiligkeit der Frauen und er selbst hätte eine Frau nie geschlagen, misshandelt oder niedriger bewertet. Grandios, dass du das erwähnen musst. Er schickte mir Textwände von 15 cm, um zu erklären, warum er politisch aktiv sei und was in Deutschland alles schief laufen würde. Ich habe mich dann mehr oder weniger irritiert ins Gym verabschiedet. Er meldete sich noch einige Male, wollte mich mit Schokolade füttern und verführen und was noch alles, aber irgendwie – ich hoffe, man versteht mich da – war mir die ganze Nummer zu heiß. Ich gehe mit Erdoğans Politik nicht konform und selbst wenn medial einige Dinge sicher aus dem Kontext gerissen werden, könnte ich mich mit dieser Haltung nur schwer arrangieren.

Sissi (1955)

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Natürlich habe ich auch andere Menschen kennengelernt und gute Erfahrungen gemacht. Vom reisewütigen Tourmanager eines Weltstars (Vitamin B, Baby!), einem liebenswürdigen Riesen für Musik- und Filmtipps (you stay private, don’t worry!), ziemlich schönen Männern, die deutlich jünger sind – es war viel Gutes dabei. Ob Tinder auch für irgendwas mit Substanz herhalten könnte? Bestimmt, dazu muss man jedoch ziemlich viel Geduld mitbringen. Den Suchenden da draußen würde ich also raten, das Ganze nicht zu ernst zu nehmen. Es ist doch sowieso immer eine Frage des Timings, in welcher Lebensphase man sich befindet und was man geben kann. Love happens oder eben nicht.

Das schrägste Match, das ich nach einem „Hallo, angenehm“ gleich wieder gelöscht habe? Kim Frank von Echt – wer kennt sie noch? Es war blanke Neugier, weil ich als Teenie für ihn geschwärmt habe. Heute ist er eher nicht mehr mein Fall, doch es ist wirklich spannend, wen man online alles kennenlernen kann. Die Welt ist kleiner, als man denkt.

Was sind denn eure größten Tinder oder Dating App Fails?

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2 Kommentare zu “Tinder Fails – Ein Dating-Kuriositätenkabinett für Aufgeschlossene”
  1. Sabina sagt:

    Ich habe eben mal Kim Frank gegoogelt, um zu sehen, wie er denn jetzt aussieht. Hach, da fühle ich mich doch gleich jünger, obwohl wir gleich alt sind*haha…ich habe als ich damals nach Berlin gekommen bin, auch diverse schräge Online-Dates gehabt und es ist wohl wie im richtigen Leben: viele Volldeppen, aber auch ein paar Perlen, die man finden muss…

  2. AD sagt:

    Danke für diesen unterhaltsamen Artikel :)

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