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Ich scheue keine Mühe, um euch über Erkenntnisse – aus der Wissenschaft angewendet auf mein Leben – berichten zu können. So mache ich gerade einen Selbstversuch, bei dem ich in den letzten Wochen Industriezucker aus meinem Speiseplan verbannt habe! Das mag sich für manche von euch unspektakulär anhören. Aber ihr dürft euch das Ausmaß dieses Entzugs so vorstellen, als würdet ihr einer kettenrauchenden Großtante nach 40 Jahren blauem Dunst von heute auf morgen ihre filterlosen Roth-Händle aus den knöchernen Händen reißen.

Ich aß mittags eine Tafel Schokolade. Nachmittags eine Packung Kekse. Abends eine Familienpackung Vanilleeis. Nachts wachte ich auf, weil mein Körper vor Verlangen nach Schokolade keinen Schlaf mehr fand.
Bis heute wollen Wissenschaftler sich nicht darauf einigen, ob Zucker süchtig macht oder nicht. Doch wenn ich meinen Konsum im letzten Jahr betrachte, dann muss ich gestehen: Es war ein „nasty habit“.

Dennoch – auch die wildeste Naschkatze ist vor Eitelkeit nicht gefeit! Beim morgendlichen Blick in den Spiegel wurde ich fast täglich verzagter. Augenringe, fahle Haut, gereizte Augen und Akne um die Kinnpartie stachen mir ins Auge – und das nach neuen Stunden seligen Schlafs.

Apropos Schlaf – davon brauchte ich ohnehin immer mehr und fühlte mich nachmittags um vier Uhr schon wieder schlapp und erschöpft. Oder war es die Tafel Mandel-Krokant-Schokolade in meinem Magen, die sich schlapp und erschöpft fühlte? Es führte kein Weg daran vorbei – ich war 26 Jahre alt, sah aus, wie eine pubertierende 16-Jährige und fühlte mich wie eine müde 76-Jährige: Der Zucker musste weg…

Hier sind meine 5 Tipps, wie ich es geschafft habe, mich von dem Joch des Kuchenbuffets zu befreien (ohne mich und andere zu gefährden).

Tipp #1

Neue Gewohnheiten schaffen

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Verhaltensforscher haben festgestellt, dass wir unsere schlechten Angewohnheiten nicht einfach weglegen können, da dann ein Vakuum entstehen würde. Deswegen ist es günstiger, die schlechten mit neuen, besseren Angewohnheiten zu überschreiben.

Ich habe beispielsweise die Angewohnheit, nach einer Hauptmahlzeit etwas Süßes zu essen. Egal wie satt ich bin – Kekse oder Eis finden in meinem Magen immer noch Platz. Diese kleinen Nachtisch-Naschereien habe ich durch geschmacktsintensiven Tee oder ein Stück Obst ersetzt.

Ich kann nicht versprechen, dass diese Angewohnheit anfangs genauso zufriedenstellt, wie der Sugar Rush, nach einem schönen Stück Schokoladenkuchen. Allerdings wirst du dich nach dem Essen deutlich wacher und produktiver fühlen, wenn der unausweichliche Sugar Crash ausbleibt!

Tipp #2

Essen von Emotionen trennen

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Als Kind der 90er habe ich noch deutlich vor Augen, wie beim Kinderarzt kleine, rote Lutscher mit einem weißen Pappstiel als Belohnung für tapferes Benehmen ausgeteilt wurden.

Spulen wir vor in das Jahr 2017. Süßes gilt noch heute als Belohnung für einen schlechten Tag oder für eine besondere Anstrengung. Omnipräsent winkt es uns von Kalendersprüchen und aus Spielfilmszenen – eine deprimierte Frau tröstest sich mit mindestens einem von drei Dingen: Schuhen, Schokolade, Rotwein.

Das kommt nicht von ungefähr. Zucker spricht das Belohnungssystem in unserem Gehirn an, das den Neurotransmitter Dopamin ausgeschüttet. Der Körper stellt sich also die Frage: War das schön? Soll ich das noch mal machen? Und die Antwort erscheint in Sekunden: Und ob!

Die Überbeanspruchung des Belohnungssystems führt zu einem Kontrollverlust und Heißhungerattacken – gleichzeitig baut sich eine höhere Toleranz gegenüber zuckrigen Lebensmitteln auf. Deshalb entsteht das Gefühl, nicht genug bekommen zu können.

Wenn es sich irgendwie einrichten lässt, verzichte darauf, dich mit Hilfe von Süßem zu belohnen und suche dir in unangenehmen Situationen andere Trostpflaster.

Tipp #3

Keinen Heißhunger aufkommen lassen

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Ein Blick in meine Handtasche könnte jetzt den Eindruck entstehen lassen, ich sei die Mutter einer Kinderschar auf dem Weg zum Spielplatz. Apfelspalten, Riegel aus dem Reformhaus und Reiswaffeln stapeln sich neben Handy, Schlüssel und Portemonnaie. Diese Ausrüstung trage ich mit mir herum, seit mein zuckerfreies Leben einmal ernsthaft in Gefahr war: An einem Dienstagabend, als ich nach einem langen Arbeitstag (ohne Mittagspause) nach Hause stiefelte, hätte ich unterwegs beinahe meinen Arm für einen Schokodonut hergegeben.

Seitdem lautet meine Devise: Satt bin ich in Sicherheit! Am besten ist, drei gesunde Hauptmahlzeiten einzuhalten. Da ich dies nicht immer schaffe, sind die gesunden Snacks wahre Hüter meiner Disziplin.

Muss es noch mal gesagt werden oder können wir es schon alle nicht mehr hören? Wer viel Wasser trinkt, ist auch hier wieder im Vorteil.

Tipp #4

Freude an Fortschritten

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Ich war neulich ungeschminkt auf einem Date. Zugegebenermaßen, bei frühabendlichen Dämmerlicht an der frischen Luft waren die Umstände denkbar günstig. Doch noch vor einem Monat hätte ich ohne Abdeckstift nicht mal meinen Müll rausgetragen.

Mein Wecker klingelt mittlerweile eine Stunde früher – das berüchtigte Nachmittagstief bleibt dennoch aus. Während ich zu meinen zuckerstärksten Zeiten das Gefühl von zufriedener Sättigung nur noch als verschwommene Erinnerung kannte, bin ich jetzt nach einer Mahlzeit glücklich und zufrieden.

Mir ist bewusst, dass Menschen, die eine neue Lebensart für sich entdeckt haben, dazu neigen, andere missionieren zu wollen. Wenn du mit strahlender Haut und unendlicher Energie gerade die zweite Tüte Weingummi gekillt hast, dann sind diese Tipps für dich nicht sonderlich interessant. Wenn aber nur eines der drei Szenarien sich seltsam vertraut anfühlte, dann wäre ein reduzierter Zuckerkonsum vielleicht eine Idee…

Tipp #5

Ungewöhnliche Wege beschreiten

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Ich bin eine große Freundin von geführten Meditationen. Liebe, Glück, Finanzen, innere Ausgeglichenheit, gesteigerte Kreativität – es gibt kaum ein Thema, zu dem ich noch keine passende Meditation gefunden habe.

Als ich beschloss, mich auf das zuckerfreie Experiment einzulassen, ließ die Suche nach der passenden Meditation nicht lange auf sich warten. Wer nach den Schlagworten „Quit sugar cravings“ bei Youtube sucht, wird schnell fündig werden. Das mag für einige Menschen nach Hokuspokus klingen – doch bei mir hat es wahre Wunder bewirkt.

Ich bin am Wochenende zu einem Geburtstag eingeladen. Das Motto lautet „Kuchenschlacht“. Natürlich werde ich mir ein Stück von meinem Apple Crumble genehmigen. Denn ich wurde eher unter dem Stern der Sinnesfreude als des Asketen geboren. Aber was habe ich neulich erst auf der Straße wieder aufgeschnappt? – Die Menge macht das Gift…

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Diskussion

2 Kommentare zu “5 Tipps, wie du deinen Zuckerkonsum endlich in den Griff bekommst”
  1. Sunshine sagt:

    Ich kann dir nur zustimmen. Ich verzichte seit über einem Jahr auf Zucker und das Beste ist atsächlich das fehlende Mittagstief.
    Ok, gerade klappt es nur semi-gut mit dem Verzicht, da ich mich doch ab und an mit Zucker belohne und dann in eine Schleife rutsche.. ABER im Grunde weiß ich ja, wie ich da rauskommen kann…

  2. AD sagt:

    Super geschrieben!! <3
    :D

    Ich fahre da mal so, mal so. Das hat sich so nach und nach eingeschlichen bei mir.
    Von Vorteil ist, dass man einen anderen Geschmackssinn bekommt, bzw. Dinge plötzlich zuckerfrei mag.
    Bis auf meinen Kaffee – da gehts halt nicht ohne.
    Am Ende isses n ausgelutschter Spruch, der aber einfach wahr ist uns bleibt und wie du auch schreibst: Die Menge macht das Gift…

    LG, AD ;-)

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