Angeblich liebt man im Leben nur drei Mal. Drei große Lieben hat jeder Mensch – zumindest laut Sozialpsychologen. Jede Liebe ist anders und einzigartig und passiert aus einem anderen Grund. Die Erste Liebe oder die Jugendliebe bleibt uns allen im Gedächtnis. Sie ist idealistisch, frei von Ängsten und meistens fühlt man ziemlich viel und heftig. Meist ist man noch angstfrei, hat keine Enttäuschungen erlebt und stürzt in eine neue Gefühlswelt. Er ist der Einzige und man bildet sich ein, für immer zusammenzubleiben. Häufig verläuft die Beziehung auch etwas dramatisch, denn in jungen Jahren kochen die Hormone schnell über.

Bei mir durchaus so gewesen. Meine erste Liebe dauerte drei Jahre und am Anfang war ich wirklich heftig verliebt. Es war furchtbar. Ich kann mich erinnern, wie jede Trennung über nur wenige Tage mir einiges an Energie abverlangte. Abschlussfahrt nach Rom für 8 Tage? Jeden zweiten Tag heulte ich wie ein Schoßhund. Würden meine heutigen Freunde davon lesen, die Hälfte würde es nicht glauben. Wir stritten viel, er weinte viel. Türen knallten, Hörer wurden aufgelegt. Nach einem Jahr flachte meine Gefühlswelt stark ab. Er besitzergreifend und ich unsicher, was ich wollte. Trotzdem zog ich mit 19 ihm zuliebe in eine andere Stadt. Lange dachte ich, es muss doch irgendwie gehen. Ich trennte mich dann. Von ihm kam stets ein „wir haben uns zu jung kennengelernt“, doch tatsächlich haben wir einfach nicht zueinander gepasst.

Die zweite Liebe ist meistens eher schmerzhaft, bisweilen toxisch. Eine Liebe, die uns alles abverlangt und uns doch viel über uns selbst beibringt. Durch sie lernen wir uns richtig kennen. Man lässt keine (gegenseitige) Verletzung aus, ein wildes Auf und Ab, das zum emotionalen Ritt auf einer Rasierklinge gerät. Man liebt und leidet intensiv, hat das Gefühl am Leben zu sein und dennoch ist man vollkommen vereinnahmt. Wir wünschen uns so sehr, dass es funktioniert. Wir bringen zahlreiche Opfer bringen. Und wir sehen nicht, dass es besser wäre, einfach loszulassen. Am Ende verbringt man mehr Zeit damit, an sich und dem Erhalt der Beziehung zu arbeiten, als sein Glück zu genießen. Eine fordernde Liebe, durch die wir am Ende reifen.

Meine letzte Verbindung ist ein Paradebeispiel, wenn es um ein wildes Auf und Ab geht. Ich habe noch nie in meinem Leben so gelitten und so viel geweint, wie in den letzten zwei Jahren. Gleichzeitig waren manche Momente schöner als alles, was ich je erlebt habe und manches davon werde ich sicher nie vergessen. Bittersüße, wahnsinnig schmerzvolle Erfahrungen gepaar mit starken Glückmomenten und Sehnsüchten. Ich habe diesem Mann mehr gegeben, als jedem anderen. Obwohl wir uns nur 1,5 Jahre kannten und nur die Hälfte der Zeit sahen, lebten wir in nach wenigen Wochen stets zusammen. Mit niemandem teilte ich mehr Intimität, keiner ging gefühlsmäßig tiefer, hat mich mehr verändert und dennoch nicht erfüllt. Er hat mich geliebt und dann wie einen Feind behandelt. Im nächsten Moment ging er wieder auf die Knie.

Die dritte Liebe ist angeblich die, die man nicht kommen sieht. Ein Mensch, mit dem du nicht rechnest. Alles am Miteinander mit ihm ist besonderes. Diese Liebe passt uns häufig nicht in den Kram. Der Andere vielleicht nicht unser Typ, zu alt, mit dem falschen Job, mit Kindern oder in einer anderen Stadt. Man übersieht sich zuerst, erkennt sich gegenseitig nicht. Unsere Intuition klopft laut gegen alle Türen in unserem Herz und Hirn, doch als gebeutelte und erwachsene Menschen sind wir vorsichtig geworden. Trotzdem fesselt uns dieser eine Mensch. Die Magie des Miteinanders, Momente die wir schätzen und gefühlt mit keinem anderen teilen können. Dieser Mensch berührt uns und das auf eine Weise, die wir so nicht kennen und zu diesem Zeitpunkt auch nicht erwartet haben. Diese erwachsene Liebe soll angeblich dauerhaft sein.

Die erwachsene Liebe habe ich auch schon erlebt, sie dauerte 10 Jahre. Allerdings glaube ich nicht, dass sie wirklich ins Schema passt. Ich war mit damals 20 Jahren sehr jung, als wir uns kennenlernten. Ich hatte keine Ahnung, wer ich bin und was ich wollte. Erwachsen war ich noch lange nicht und Beziehungen noch immer neu. Der Fairness halber streiche ich also meine Jugendliebe und setze die lange Erfahrung an die erste Stelle. That’s just fair. Vor allem sind dann nicht alle Joker verspielt. Wir Menschen sind gezeichnet von der Suche nach Liebe, denn am Ende will jeder geliebt werden und ebenso Liebe geben. Das braucht Zeit und Erfahrung, weshalb ich jetzt ganz frech behaupte, der Mensch braucht mindestens drei Lieben, um einmal richtig zu lieben.

Wie ist das bei euch? Glaubt ihr an die Theorie von den drei großen Lieben im Leben eines Menschen?

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