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Bild: Jörg Dietrich

An einem Dienstag im Juni saß ich mit Z. am Südplatz in Leipzig. Aufgrund der Bauarbeiten die Karl-Liebknecht-Straße betreffend, durften zu dieser Zeit dort keine Autos fahren. Das machte den Südplatz im vergangenen Sommer zu einem noch beliebteren Treffpunkt. Anders als sonst belagerten die Menschen nicht nur den Burgermeister, den Südplatzspäti und die einzelnen Lokale, sondern eroberten in kleinen Sitzgruppen auch die Straße. Herrlich! Ich habe es geliebt, über den belebten Platz zu spazieren oder selbst auf dem Asphalt zu sitzen. Man fühlte sich am Puls der Stadt. Zugehörig. Lose verbunden mit all den anderen Menschen, die hier ihre freie Zeit verbrachten, Freunde trafen, tranken, aßen und lachten. Wenn man schließlich nach Hause ging oder zu einer Party weiterzog, hatte man dieses wohlig warme Gefühl im Bauch. Man war zufrieden.

An einem Dienstag im Juni saß ich mit Z. am Südplatz in Leipzig. Es muss wohl gegen 19 Uhr oder etwas später gewesen sein, als wir ankamen. Sämtliche der beliebten Sitzmöglichkeiten waren bereits belegt. Die Fensterbretter und Treppen waren ausgelastet und auch die Gehwege waren schon stark frequentiert. Wie aufgefädelte Perlen einer Kette, saßen die Menschen Schulter an Schulter am Rand des Bürgersteigs und streckten ihre Beine auf die Straße. An manch einem Abend spielte einer von ihnen Gitarre. An diesem Dienstag nicht. Es war warm. Ich hatte ein Kleid an und trug offene Schuhe.

Z. und ich setzten uns auf das Kopfsteinpflaster des Gehwegs – den Rücken an die Hauswand gelehnt, ein Bier in der Hand. Wir redeten über Männer und Frauen und Beziehungen.

Ein Mann muss von etwas begeistert sein, um mich begeistern zu können. Er muss für etwas brennen. Egal ob Hobby oder Beruf. Z. stimmte mir zu. Wenn man selbst stark eingespannt ist, leidenschaftlich an einer Sache arbeitet und immer etwas mit sich anzufangen weiß – selbst wenn man allein ist – dann braucht man einen Partner der genauso tickt. Einen, der das eigene Handeln versteht oder am besten selbst so agiert. Es macht keinen Sinn, wenn der andere (übertrieben gesprochen) immer nur darauf wartet, dass man Zeit hat, um dann zu hören was es Neues gibt. Die Person muss selbst etwas zu berichten haben.

Genau, sage ich. Und eigentlich trifft das nicht nur auf Partner zu, sondern auf alle Menschen in meinem näheren Umfeld. Sie zeichnen sich nicht nur durch ihre Intelligenz, Warmherzigkeit, Empathie, Loyalität, ihre analytischen Fähigkeiten, Hilfsbereitschaft, ihren Humor oder Vertrauenswürdigkeit aus. Sie widmen sich einem oder mehreren Themen in ihrem Leben mit Leidenschaft. Sie sind Feuer und Flamme, wenn sie davon sprechen. Selbst wenn mich die Thematik nicht tangiert, finde ich an anderen Menschen kaum etwas spannender, als wenn sie mit Begeisterung davon berichten.

„Weitaus uninteressanter hingegen finde ich Menschen, die […]“. Z. unterbricht mich kurz mit den Worten „Ich weiß genau was du sagen willst.“ Ich hole erneut Luft, „[…]Menschen, denen in ihrem Leben langweilig ist.“

Mir ist langweilig. Ich weiß nicht, wie lang es her ist, dass ich diesen Satz gedacht oder ausgesprochen habe. Ein starkes Jahrzehnt? Mindestens! Langeweile gibt es bei mir nicht. Ich bin stetig in Bewegung. Wenn nicht körperlich, dann geistig. Versteht mich nicht falsch. I don´t want to glorify business. Ich bin ein großer Befürworter einer angemessenen Work-Life-Balance. Es ist nur einfach so, dass ich mich nicht dauerhaft für Menschen begeistern kann, die stetig von Langeweile geplagt sind. Vermutlich weil es mir selbst nie so geht.

Am schlimmsten finde ich ja neue (Männer-)Bekanntschaften, die sich in solch einem Kontext melden: „Mir ist gerade langweilig. Da hab ich gedacht, ich melde mich mal bei dir.“

Whot da fuck? Männer – schreibt so etwas bloß nicht! Keine sonderlich schmeichelhafte Aussage. Sie wird sich fragen, ob ihr euch nur meldet, weil ihr sonst nichts Besseres zu tun habt. Ihr benutzt die Langeweile als Vorwand um mit ihr Kontakt aufzunehmen? Keine gute Idee. Kommuniziert lieber selbstbewusst, dass ihr Lust hattet euch mit ihr auszutauschen. Und wenn wir schon einmal bei No-Goes dieser Art sind: Es gibt keinen Grund sich erst drei Tage nach dem Kennenlernen zu melden. Du willst dich interessant machen indem du dich rar machst? Darauf steht einfach nicht jede Frau. Diese Art von „Erwachsenen-Spielchen“ kann nämlich nicht nur Neugier, sondern auch Distanz erzeugen.

Aber zurück zum Thema. Kennt ihr das, wenn Menschen immer schöner werden mit jedem Satz, den sie sagen? Ja? Das funktioniert auch anders herum. Mit der Aussage „Mir ist langweilig“ verwandelt sich in meiner Lebenswelt ein Herr Schnitte ganz schnell in Mr. Damn Unsexy. Für mich ist Langeweile einfach kein Thema. Selbst wenn ich keinerlei Verpflichtungen habe, weiß ich etwas mit mir anzufangen. Es gibt immer einen Freund oder Bekannten, den ich lange nicht gesehen habe. Es gib immer Bücher, die ich noch lesen oder Filme und Serien, die ich noch sehen will. Es gibt immer eine Party, die ich besuchen möchte. Es gibt immer Schlaf, den ich nachholen müsste. Es gibt immer Themen, die ich in Ruhe auf meiner Couch durchdenken und für das Blogzine aufarbeiten will. So wie diesen Beitrag über Langeweile, der mir schon ewig im Kopf herumschwirrt. Seit ich mit Z. an einem Dienstag im Juni am Südplatz saß und wir über Männer und Frauen und Beziehungen redeten.

Was begeistert euch am meisten an anderen Menschen und was ist euer persönliches No-Go?

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Diskussion

17 Kommentare zu “Mir ist langweilig. – Mir nicht!”
  1. Dana sagt:

    Oh, man. Du sprichst mir aus der Seele.
    Ich vermisse manchmal Menschen die sich für Dinge begeistern können. Ich vermisse das Feuerwerk, das Glitzern in den Augen. Das sie mich innerlich wie äußerlich rütteln und schütteln.

    Liebste Grüße

    • Hey Dana :) Das Feuerwerk, das Glitzern in den Augen – ja das beschreibt es total gut. Eine Freundin von mir arbeitet seit Kurzem in einem Casino und bildet sich in diesem Rahmen nun freiwillig zum Black Jack Croupier weiter. Ich war noch nie in einem Casino und habe auch mit dem Spiel nichts am Hut. Als sie aber vor ein paar Tagen in meiner Küche stand und voller Begeisterung von ihrer Tätigkeit, den Kollegen und dem Spiel berichtet hat, war ich einfach nur bezaubert. :))) Liebste Grüße!

  2. kiez&tell sagt:

    DANKE, danke, danke! Genau diese Gedanken habe ich auch schon mehrmals geäußert, gegenüber Freunden, Bekannten, Affären – und bin damit meistens auf Unverständnis verstoßen. Ich kapier‘ es einfach nicht, wie in aller Welt kann einem heutzutage langweilig sein? Wie kann einem langweilig sein, wenn doch im eigenen Kopf immer ein ganz eigener Film läuft? Und ich meine… das Internet! Es gibt so viel zu sehen, zu lesen, zu klicken.

    Ich schließe mich also dir an, das ist definitiv auch für mich ein großes No-Go!

    Liebe Grüße
    (und übrigens: wundervoll geschrieben!)

    • Hab vielen Dank! :) Ich hab mich eben einmal komplett (!) durch deinen Blog gelesen und war fast ein wenig traurig als ich bei den letzten Zeilen ankam. Ich will unbedingt mehr, mehr, mehr lesen und sollte dringend mal wieder ins Berghain gehen. :D Liebste Grüße!

    • kiez&tell sagt:

      Oh, ich habe deine Antwort erst jetzt gelesen! Es freut mich riesig, dass es dir gefällt und ja- aufs Berghain hätte ich so langsam (aber sicher) auch wieder Lust. Aber jetzt bin ich erstmal ein paar Tage in der Heimat:-) Liebe Grüße und besinnliche Feiertage wünsche ich schon einmal!!

  3. Jane sagt:

    Geht mir genauso…nur langweiligen Menschen ist langweilig ;) Mir ist nie langweilig, im Gegenteil, ich hab irgendwie immer zu viel auf der Platte. Deswegen hasse ich es krank zu sein: dem Nichtstun erlegen nichts machen zu können, ätzend. Aber selbst dann geht noch was. Das Leben ist nicht dafür da, nicht für etwas zu brennen.

  4. kirschvogel sagt:

    Langeweile vs. Hamsterrad. Ersteres gibt es bei mir so gut wie nie. Manchmal denke ich wehmütig an die Tage meiner Jugend zurück, in denen ich tatsächlich, mehr als einmal von Langeweile ergriffen, die Stunden unerträglich langsam dahinwälzen sah.

    Das Hamsterrad ist nämlich auch keine Option. In den Momenten, in denen ich mich nicht „verhamstern“ lasse, bleibt allerdings das tolle Gefühl, etwas zu leisten UND die Dinge (Zeit) im Griff zu haben.

    Als Freiberufler mit Familie ist Work-Life-Balance eine dreimal so große Herausforderung.

    • Als Kind habe ich mich auch häufig gelangweilt. Bei Familienfeiern beispielsweise, aber auch wenn keiner meiner Freunde Zeit hatte.
      In Bezug auf das Hamsterrad gebe ich dir völlig Recht. Ich würde jetzt einfach sagen: weniger verdienen – mehr leben, aber als Mutter trägt man da ja noch mal eine ganz andere Verantwortung. Zudem weiß ich ja, dass dir deine freiberufliche Tätigkeit Spaß macht. :) Liebste Grüße!

  5. Ginni sagt:

    Vor einem Jahr hätte ich noch voll und ganz zugestimmt und auch die Aussage als wahr empfunden, dass nur langweiligen Menschen langweilig sein kann.
    Mittlerweile denke ich anders darüber. Schuld daran ist bzw. war (juchu, ich kann in der Vergangenheit davon reden, naja zumindest bald) mein aktueller Job (ist das jetzt verwirrend?). Wenn Du acht Stunden bei der Arbeit sitzt und aus anfänglicher Euphorie irgendwann Langeweile wird. Wenn Du merkst: Dafür habe ich nicht studiert, dass ich hier jetzt rumsitze und meinen Kopf nicht anstrengen darf. Dass ich Dinge mache, die ich so auch schon hätte direkt nach dem Abitur ausführen können. Aufgezwungene Langeweile ist etwas ganz furchtbares. Da hilft es auch nicht, dass man selbst vielleicht eigentlich gar nicht langweilig ist. Man kann ja schließlich nicht bei der Arbeit einfach irgendwas „für sich“ machen. Man muss ja arbeiten. Und wenn es keine Arbeit gibt, muss man sich zwangsweise langweilen (mit oder ohne Aufgaben). Man kann ja schließliche auch Langeweile empfinden, obwohl man etwas zu tun hat.

    Ich würde mich nicht als langweilig bezeichnen, es gibt so viel, wofür ich mich begeistern kann. Dennoch saß ich das vergangene Jahr viele, viele Tage gelangweilt an meinem Arbeitsplatz. Ich sage Dir: Aufgezwungene Langeweile bzw. keine Arbeit oder solche, die für Dich keine ist, ist noch schlimmer, als Langeweile überhaupt. Es macht einen fertig, depressiv und unzufrieden, man fühlt sich nutzlos und dennoch vom Nichtstun erschöpft.

    Was mich an anderen Menschen begeistert, das kann ich pauschal nicht sagen. Begeistern mich Menschen, ist es meist individuell: Jeder hat dann irgendwas, was mich eben begeistert. Habe ja keine Checkliste. Aber was mich eher nicht so begeistert, sind Menschen, die sich damit zufrieden geben, den ganzen Tag auf der Couch zu sitzen und irgendwie jeden Tag das gleiche zu tun. Ich relaxe auch mal gerne und auch gerne auf der Couch. Aber es gibt Menschen, die verlassen den ganzen Tag nicht das Haus. Die stehen auf, frühstücken und verbringen dann den ganzen Tag auf der Couch. Ich hasse diesen Zustand und daher erscheint es mir immer schräg, wenn mir jemand sagt, dass er dies gerne tut. Passt nicht zu mir.

    • Liebe Ginni, nein das ist ganz und gar nicht verwirrend. Es ließt sich so als hättest du deinen Job bereits gekündigt oder stehst kurz bevor dies zu tun. Habe ich Recht? Und nichts anderes hätte ich dir (auf lange Sicht) auch geraten, da du scheinbar extrem unterfordert bist. Zumindest resultiert in diesem Kontext Langeweile ja meist daraus, dass man für eine Tätigkeit überqualifiziert ist.
      Diese aufgezwungene Form der Langeweile meine ich auch nicht – du bist ja produktiv im Job, selbst wenn er eben diesen Zustand bei dir hervorruft. Zudem kompensierst du das durch deine Freizeitgestaltung. Du hast eine Leidenschaft für Fotografie und bloggst regelmäßig. Ich bin mir sicher, dass du davon mit großer Begeisterung berichten könntest und dass es auch noch andere Themen in deinem Leben gibt, die dich bewegen. :))) Liebe Grüße!

  6. Carolin sagt:

    Ich weiß gar nicht wie oft ich „Genau“ und „Ooooh ja“ gedacht habe während ich deinen Text gelesen habe.

    Wie man heutzutage Langeweile spüren kann verstehe ich auch nicht so recht. Es gibt wirklich, wie du schon sagst, sooo viele großartige Dinge mit denen man sich beschäftigen kann oder für die man sich begeistern kann – oder man setzt sich einfach mal mit sich selbst auseinander. Leider können dies viele Menschen nicht. Einfach mal in sich zu gehen oder die Augen offen halten und auch die kleinen wunderbaren Dingen in der Welt beobachten.
    Was für mich ein absolutes No-Go bei Männern (und Frauen) ist, ist es wenn sie kein „eigenes Leben“ haben, keinen Antrieb besitzen, passiv sind und keine Träume und Wünsche im Leben haben.
    Ich mag es auch total, wenn mein Gegenüber aktiv ist und etwas mit Leidenschaft macht oder darüber erzählt und in mir auch für Dinge Interesse wecken kann, an die ich vorher noch keinen Gedanken verschwendet hatte.

    Liebe Grüße, Caro

    P.S.: Macht weiter so! Ich lese euren Blog total gern. :)
    Ach… und ich hätte da übrigens noch einen Tipp für einen guten Zahnarzt – in Leipzig und mit PZR ohne Schmerzen- für Mia.

  7. Wiebke sagt:

    Hallihallöchen,

    Ich bin ganz zufällig vor ein paar Stunden über deinen Blog gestolpert und sauge seit dem alles in mich auf. Und auch wenn ich viele deiner Gedanken teile und ganz schwärmerisch alles in mich aufnehme (vor allem über das schöne Leipzig), musste ich bei dem Artikel ein paar Mal die kleine Stimme in meinem Kopf unterdrücken, die ganz kleinlaut einwarf „Ja, aber…“. Ich dachte, ich lasse einfach mal ein paar von diesem kleinen Bedenken da, in der Hoffnung, dass vielleicht jemand anders etwas damit anfangen kann:

    Generell teile ich deine Meinung und mich faszinieren auf den ersten Blick, oder auf die Ferne, sicher auch am meisten die Menschen, die selbst begeisterungsfähig sind. Ich hätte diese Eigenschaft auch mir, bis vor eineinhalb Jahren, wahrscheinlich als meine Haupteigenschaft zugeschrieben. Langeweile? Pa! Keineswegs! Zwischen all den Sachen die ich gerne machte, war immer noch mehr zu machen, was ich auch gerne machen wollte und wenn eine Lücke dazwischen war, dann hatte ich noch tausend andere Dinge, mit denen ich mich beschäftigen konnte.

    Aber in den letzten Jahren spüre ich auch mehr und mehr „Langeweile“ in mir. Woher das kommt, ich weiß es nicht. Und ich halte fest an den Dingen, die mir wichtig sind. Aber manchmal habe ich das Gefühl (und habe auch das Gefühl, dass es vielen Menschen und Freunden in meinem Umfeld im Moment so geht), dass über vielem die Frage schwebt: Wozu das alles? Was ist wichtig und wofür sollte man brennen? Mal ist die Frage weniger da, manchmal wochenlang nicht. Das Leben rauscht nur so, man ist mittendrin und dann kommt der eine Abend und man sitzt zu fünft mit guten Freunden und einem Gläschen Wein in der Küche und beginnt alles zu hinterfragen. Man stellt auf einmal fest, dass die Zweifel, die einem selber manchmal kommen, auch die anderen gut kennen. Aber dann ist da ja noch Person xy, die unnahbar, immer brennende, nie stoppende und irgendwie unnahbare Person. Wie macht die das? Was stimmt mit einem selber nicht, dass man irgendwie im Moment für nichts so hundert Prozent brennen kann?

    So drastisch, wie es sich vielleicht gerade anhört, soll es ja garnicht klingen und ich denke, es hängt auch viel damit zusammen, in welchem Lebensabschnitt viele wichtige Menschen in meinem Leben und ich uns gerade befinden, aber (hier das böse Wort ;) ): Ich finde es hört sich bei dir zu oft nach einem persönlichen Fehler/Versagen an, wenn sich jemand „langweilt“. Und natürlich ist man zum großen Teil selbst verantwortlich und sollte Interesse zeigen, die Dinge zu finden, für die man brennt. Aber es ist doch auch ganz natürlich, Zeiten und Phasen zu haben, in denen man daran zweifelt. (Ich befürchte sogar, dass es viele Menschen gibt, die das gerne tun würden, aber leider allein nicht genügend Kraft dazu haben.)

    Und daraus folgte bei mir der Gedanke, was ist mir eigentlich an den Menschen besonders wichtig, die ich zu meinen engsten Freunden zähle? Ja klar, eine gewisse Fähigkeit sich zu begeistern. Wenn ich neue Menschen kennenlerne, das Gefühl, dass da eine Person dahinter steht, die sich selbst definieren kann. Aber dann? Ich kann es nicht pauschalisieren. Aber zu jeder der Eigenschaften, die du dort oben aufzählen konntest, fiel mir eine Person ein, die ich gerade wegen dieser Eigenschaft schätze. Meine beste Freundin schätze ich für ihre Fähigkeit mit Menschen umzugehen, mit jedem und in jeder Situation, ihre Art zuzuhören und nach außen hin so sicher aufzutreten, dass sie den selben verkorksten Humor mag wie ich und dass ich weiß, dass auch sie manchmal noch auf der Suche ist und dass sie weiß, dass es mir genauso geht.

    Eine Beziehung (sei es nun eine jahrelange Freundschaft oder eine Beziehung) definiert sich für mich vor allem, glaube ich mehr aus der gegenseitigen Wertschätzung der Personen, egal wie es ihnen gerade geht, ohne Forderungen und Ansprüche, wie man erwartet, dass der andere gerade sein sollte, ob er nun gerade ein froh-euphorisch-schaffenden oder zweifelnd-zögernde Phase durchlebt. (Haha, das hört sich, als würde ich in einem Kreis bipolarer Menschen leben, keine Angst, das tue ich nicht!)
    Und gerade mit dem Umzug in die große, immer-pulsierende Stadt und den Eintritt in das Studentenleben habe ich gemerkt, dass ich diese Haltung an anderen Menschen oft vermisse. Ich weiß nicht wie oft ich das Gefühl hatte, was bieten oder darstellen zu müssen um für andere „interessant“ zu wirken, um irgendeine Art Mehrwert zu erfüllen und der Beziehung dadurch einen Zweck (die Bereicherung des jeweils anderen) zu geben. Ja nicht gelangweilt, immer auf Achse, immer mit der Selbstoptimierung beschäftigt. „Wie du bist unzufrieden? Ändere es doch, jetzt, sofort!“

    Ich weiß, dass das du das ganz sicher nicht so gemeint hast und akzeptiere deine Meinung, die sich an vielen Stellen sicher auch einfach von meiner unterscheidet (was ja auch gut so ist, wo kämen wir sonst hin, wenn alle das selbe dächten!). Aber manchmal wünsche ich mir, dass manche Menschen sich auch ein bisschen offener umschauen. Denn ich glaube, dass viele der Menschen, die am meist-beschäftigsten auf ihren Rennrädern von einem social meeting zum nächsten tigern und zwischen all den Chailattes immer fröhlich lächelnd und euphorisch von ihren Projekten erzählen, auch manchmal einfach nur die sind, die die Fassade am besten aufrecht erhalten können. Und die Person, die verträumt mit einem Buch am Fenster sitzt und ab und zu nachdenklich verträumt in die Ferne schaut, sicher auch bedeutende Gedanken teilen könnte. :)

    In der Hoffnung, dass das irgendeinen Sinn gemacht (der am besten auch noch rübergekommen ist) und hoffentlich als das verstanden wird, was es sein soll (meine paar Gedanken zum Thema, die keinen Anspruch auf generelle Gültigkeit erheben), wünsche ich dir noch ein schönes Restwochenende,
    Liebe Grüße.

  8. MuhKuhAddict sagt:

    Eines meiner liebsten Feststellungen! ;-)
    Ich weiß gar nicht, wie oft ich diesen Satz schon benutzt habe… ein Mann/Frau kann noch so eine schöne Hülle besitzen, wenn nur Mist aus seinem/ihrem Mund kommt, macht ihn/sie das automatisch hässlich. ;-)

    Zum Thema Langeweile… puh, ich möchte auch noch soooo viel ausprobieren.
    Das fängt beim Essen an, geht weiter über Reisen, verschiedene Städte kennenlernen und hört irgendwann bei meinen Frisuren und Haarfarben auf.
    Viele würden das als sprunghaft bezeichnen, für mich ist das ein Ausprobieren und Erfahrungen sammeln. ^^

    Ich kann mir z.B. auch nicht vorstellen, jedes Jahr ins selbe Hotel/Land zu reisen (nicht, dass ich es mir leisten könnte, ständig in Urlaub zu fliegen ^^) oder mehrere Monate das selbe Produkt zu kaufen (es sei denn, es haut mich wirklich aus den Socken und ich will nichts anderes mehr…) und nach 4 Wochen langweilen mich meine schwarz gefärbten Haare… nächstes Experiment wird dann wohl, das Indigo wieder rauszubekommen. :-P

    Aus dem Grund bin ich auch jetzt schon ganz hibbelig, was mich alles in Leipzig erwartet und was ich dort alles kennenlernen darf etc. ;-)

  9. Leipzig ist einfach spitze ;) warum weiß ich das, weil ich da her komme und bin nach Baden Württemberg ausgewandert und muss sagen, mein Leiptzsch fehlt mir sehr und man muss es erlebt haben ;) Also wer noch nicht da war, der sollte es unbedingt mal in seine Städtetour durch Deutschland einplanen ;) LG Katrin

  10. » Ordnung im Kopf schaffen: tolerieren, akzeptieren, ändern! sagt:

    […] Spätsommer des vergangenen Jahres war ich wieder einmal mit Z. in der Südvorstadt unterwegs. Das Gespräch war sektgeschwängert. Ich steckte mitten in […]

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